Das Münchner Stadtmuseum im Herzen der Stadt schließt seine Türen ab 2024 - Generalsanierung und Ausblick bis 2031

Seit 7. Januar 2024 hat das Münchner Stadtmuseum bis voraussichtlich Mitte 2031 seine Türen für sieben lange Jahre Bauzeit geschlossen. Das Museum hat sich mit einem äußerst erfolgreichen, zweimonatigen Abschiedsprogramm und kostenlosem Eintritt bis zum Schließtag am 7. Januar 2024 verabschiedet. Über 55.000 Menschen nutzten die Gelegenheit, das Museum in seiner "alten" Form am St.-Jakobs-Platz nochmal zu besuchen, davon allein 11.000 am letzten Wochenende. Bei einem Flohmarkt am letzten Öffnungstag wurden über 3.000 Kataloge verkauft.

 

Der Stadtrat hat 2012 die ersten Weichen für die Generalsanierung gestellt. Seit 2015 wird mit dem Architekturbüro Auer Weber an der Umsetzung dieses zweitgrößten Kulturbauvorhabens der Kommune – nach der Sanierung des Gasteigs – gearbeitet. Das Architekturbüro Weber ist auch an der Sanierung des Gasteigs beteiligt.

Der Gebäudekomplex des Stadtmuseums wird baulich und konzeptionell und dafür umfassend saniert und umgebaut. Die Generalsanierung des Stadtmuseums kostet nach jetzigem Stand 271 Millionen Euro. Nach der Wiedereröffnung 2031 erhält das Münchner Stadtmuseum neue Dauerausstellungen, die die Geschichte der Stadt und ihrer Gesellschaft aus Sicht der Gegenwart und mit Blick auf die Zukunft erzählen wollen. Das Filmmuseum München und das Stadtcafé bleiben weiterhin bis 2027 geöffnet.

Generalsanierung, Umbau und Neukonzeption durch das Architekturbüro Auer Weber

Das Haus besteht bisher aus mehreren Einzelbauten aus verschiedenen Epochen und Jahrzehnten, teilweise ist die Bausubstanz der denkmalgeschützten Häuser schon fragil. Bausubstanz, Infrastruktur, Serviceeinrichtungen und Ausstattung des größten kommunalen Museums Deutschlands entsprechen längst nicht mehr den heutigen Standards für Besucherinnen und Mitarbeiterinnen. Der Entwurf von Auer Weber sieht einen äußerst respektvollen Umgang mit dem Bestand vor. Neue Elemente ergänzen das historisch gewachsene Ensemble behutsam und verbinden dabei den Denkmalschutz mit den zukünftigen Anforderungen an einen modernen Museumsbau.

Eine wesentliche Prämisse der Planung war es, das Museum nicht nur von Süden über den bekannten Eingang am St.-Jakobs-Platz zu erschließen, sondern auch auf der Nordseite großzügig zur Stadt hin zu öffnen. Ein neuer Haupteingang am Rindermarkt führt zukünftig direkt in den nördlichen Innenhof des Museumskomplexes, der durch eine vollflächige Glasüberdachung zur neuen „Museumslobby“ aufgewertet wird.

Das Museum wird zur Stadt hin geöffnet. Im Zentrum befindet sich eine Halle, die für die Besucher als offener Raum mit Zugang zu den einzelnen Ausstellungen dient. Gleichzeitig ist dieser neue Säulenbau, der auch statisch frei steht, ein Treffpunkt für Besucher und Kunst und Kultur in Zukunft im öffentlichen Raum.

Wie an einem städtischen Platz reihen sich im Erdgeschoss der denkmalgerecht sanierten Innenhoffassaden die vielfältigen Angebote des Museums: Neben Kasse, Museumsshop und Espressobar sind hier auch Studio- und Workshop-Flächen sowie ein großer Veranstaltungssaal untergebracht, die das Programm des Stadtmuseums zukünftig bereichern werden. Eine weitere Öffnung zur Innenstadt schafft ein zusätzlicher Durchgang, der den Innenhof mit dem Sebastiansplatz verbindet. Als öffentliche Passage wird mit diesem der neue Kernbereich des Münchner Stadtmuseums in das Wegegeflecht der Innenstadt eingebunden und so für Bürger*innen und Besucher*innen auch im Vorbeigehen erlebbar.

Zum Blickfang des Museums wird ein neuer in den Innenhof eingestellter Gebäudekubus, der in den Obergeschossen über Stege an die bestehenden Ausstellungsflächen angebunden ist. Den Passant*innen im Erdgeschoss präsentiert sich der Kubus vor allem über seine metallische Hülle: Eine Kombination aus Perforation und Hinterleuchtung erlaubt vielfältige Lichtinszenierungen, während mit der grafischen LED-Bespielung sowohl Veranstaltungen und Ausstellungen als auch inhaltliche Themen plakativ in Szene gesetzt werden können.

Neben diesen gezielten Ergänzungen und wohldosierten Eingriffen in den Bestand steht beim Projekt aber vor allem der Erhalt und die Sanierung des über die Jahrhunderte gewachsenen Gebäudeensembles im Vordergrund. In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege werden Fassaden und Dächer saniert und zugleich energetisch optimiert. Im Inneren sind umfängliche statische und brandschutztechnische Ertüchtigungen relevant, wobei große Anstrengungen erforderlich sind, moderne Museumstechnik in den Bestand zu integrieren.

Ein besonderes Augenmerk gilt in der Planung dem Thema Barrierefreiheit. Schwellenlose Zugänge und Erschließungen, zusätzliche Aufzüge und barrierefreie Sanitärräume sowie umfängliche Angebote für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung sind dabei essentiell. Intensive Abstimmungen mit Expert*innen und Betroffenengruppen haben auch hier letztlich ein gemeinsames Ziel:

Mit Wiedereröffnung im Jahr 2031 soll das Münchner Stadtmuseum ein attraktiver, informativer und integrativer Ort der Begegnung und ein Museum für alle sein.  

Im Zuge der Generalsanierung des Münchner Stadtmuseums ist das gesamte Gebäudeareal zwischen St.-Jakobs-Platz, Oberanger und Rosental zu räumen. Es handelt sich um rund 30.000 Quadratmeter und betrifft insbesondere Kunst- und Kulturgut der Landeshauptstadt München, das fachgerecht in das Interimsquartier an der Türkenstraße gelagert wird. Vom kleinsten Objekt, einem Flohzirkus, bis zum größten, dem 900 Kilogramm schweren Stern-Orchestrion, müssen sämtliche Museumsgüter verpackt, transportiert und in Depots wieder eingelagert werden.

Hinter den Kulissen hat der Umzug der Sammlungsobjekte schon vor längerer Zeit begonnen. Bereits fast vollständig umgezogen sind die Sammlungen Musik, Fotografie, Grafik und Gemälde, Reklamekunst und Stadtkultur. Die Sammlungen Angewandte Kunst und Puppentheater / Schaustellerei werden im Laufe des Jahres umgezogen, die Vorbereitungen dafür sind seit Frühjahr 2023 im Gange.

Zusätzlich ziehen ca. 100 Beschäftigte in Büroräume auf dem ehemaligen ARRI-Gelände um. Gleiches gilt für die großen Restaurierungs-Ateliers, die ebenfalls dorthin verlagert werden. Während der Schließzeit arbeitet das Team an der Neukonzeption des Museums und seiner Ausstellungen.

Dies ist eine der Hauptaufgaben, die die Mitarbeiter*innen aus sämtlichen Sammlungen und Querschnittseinheiten von 2025 bis 2028 gemeinsam mit dem Gestaltungsbüro Atelier Brückner aus Stuttgart bearbeiten werden. Die zukünftig ca. 4.500 Quadratmeter umfassende Fläche für Dauerausstellungen wird neu aufgeteilt, die Ausstellungskonzepte sammlungsübergreifend entwickelt und die Ausstellungen unter stadtgeschichtlich relevanten Fragestellungen kuratiert und eingerichtet.

Zu den Kernaufgaben der Jahre ab 2028 gehören die Vorbereitung von Sonderausstellungen sowie die Entwicklung eines neuen Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramms, mit denen das Museum ab 2031 sein neues Haus bespielen will.

Ab 2030 wird die Ausstellungsfläche von über 7.000 qm eingerichtet und bestückt. Vor der Wiedereröffnung des Museums 2031 soll der Prozess des Umzugs der Sammlungen und Belegschaft zu Arri möglichst komplett rückabgewickelt werden. Vor der Wiederaufnahme des Ausstellungsbetriebs wird dieser im generalsanierten Museum gründlich getestet.
 

Mit der Generalsanierung verbunden sind

-  eine Ertüchtigung der Museumsgebäude für die nächsten Jahrzehnte

-  ein neuer Haupteingang des Münchner Stadtmuseums zum Rindermarkt hin

-  ein überdachtes Atrium im Innenhof

-  ein Kubus, der als Museumsmittelpunkt in den Innenhof eingefügt wird

-  Inklusion und Barrierefreiheit

-  mehr Vermittlungsräume und verbesserte Aufenthaltsbereiche

-  verbesserte Wegeführungen

-  eine städtebauliche Aufwertung am St.-Jakobs-Platz
  

Der Sommer ist wieder da: Open Air Kino des fsff im Starnberger Seebad, Foto: Beate Obermann
Maria VMier, Companion in Rejoicing! – (BLUE-BLACK), 2021 Gefährt*in im Jubel! – im Jubel (BLAU-SCHWARZ) Tusche auf Papier 2024 mit Mitteln der Written Art Collection für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erworben Foto: Bayerische Staat
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