Ganz Oberammergau ist  im Passionsfieber: 2022 erlebt die Stadt eine Neuauflage der Passionsspiele: Jesus ist lauter geworden!

Alle zehn Jahre, seit einem Pestgelübde aus dem Jahr 1633, wird das „Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus“ in Oberammergau aufgeführt. Die Tradition wird fortgeführt, auch 1920, so der Spielleiter Christian Stückl mussten die Passionsspiele wegen der Spanischen Grippe abgesagt werden und wurden 1922 nachgeholt. Auch 2020 war die Pandemie Corona der Grund für die Absage. Oberammergau glich damals fast einer Geister-Stadt.

 

„Dieses Jahr ist auch alles anders“, so Christian Stückl, eben wegen der Pandemie Corona. Er glaubt nicht dass Corona aus der Welt verschwindet. Ein Drittel der Darsteller sei wieder ausgestiegen. Es sind jetzt immerhin noch 1400 Darsteller, die immer getestet werden. Ausfälle wegen Corona sind auch während der laufenden Festspiele zu befürchten. Das Publikum hat jedoch keine Masken- oder Testpflicht. Es waren schwierige Proben in schwierigen Zeiten, ob im Orchester im Chor in den Werkstätten: es gab Corona-Kranke. Christian Stück ist stolz auf die Bühnendarsteller und die Beteiligten: "Alle haben gut mitgemacht."

 

2022 ist das Leben zurückgekehrt. Jesus lebt wieder in Oberammergau, zumindest auf der Bühne und ist rebellischer, als je zuvor. Es gibt für die Spiele zweimal Jesus, einmal blond mit grünen Augen und einen mit schwarzen Locken und so, wie man sich das Klischee eben vorstellt. Alle Rollen sin doppelt besetzt.

 

Die Oberammergauer erfüllen ihr Gelübde, die Passionsspiele seit 1633 alle 10 Jahre fortzuführen. Die Geschichte der Festspiele ist auch die von Epidemien und Pandemien: Die Passionsspiele sind der kulturelle Höhepunkt, an dem rund 2100 Einwohner des Dorfes teilnehmen, 450 davon sind Kinder, die zum Teil Flüchtlingskinder sind, Kinder aus dem Dorf und Kinder aus der NATO Schule. Es gibt keine gesellschaftlichen Grenzen.

 

Das Stück zeigt in zirka 5 Stunden der Aufführung die „inneren Bilder“ von Jesus, wie er die Welt sieht und erlebt. Jesus ist 2022 ein Rebell auf der Bühne.

 

„Jesus geht an die Grenzen der Gesellschaft, er ist bei den Gestrandeten, den Armen, den Flüchtlingen, den Prostituierten und der Ehebrecherin. Jesus ist ein Verzweifelter,“ so Christian Stückl bei der Pressekonferenz am 4. Mai 2022.  Die Flüchtlingskrise 2015 und der Ukraine-Krieg fließen in die veränderte Textgestaltung mit ein. Geblieben sind die „lebenden Bilder“ mit alttestamentarischen Themen. Der Chor wirkt wie einer aus der Antike, der die Ereignisse kommentiert und eine Brücke zwischen den einzelnen Akten schafft.

 

2022 ist fast die Hälfte der Oberammergauer auf der Bühne zu sehen. Es wirken 125 Choristen und ebenso viel Instrumentalisten , 64 Personen alleine an einem Spieltag mit, während der 110 Aufführungen von Mai bis Oktober 2022 sitzen pro Aufführung  57 Musiker im Chorgraben.. Die Gemeinde Oberammergau bildet ihre Musiker aus. Die Passionsspiele haben integrativen Charakter: Die Kinder können sich ausprobieren und ihre musikalischen oder schauspielerischen Fähigkeiten auf der umgebauten Tempelanlage des Freilluft-Theaters ausleben. Es fasst zirka 4000 Plätze. Stefan Hagemaier hat die Bühne als Tempelanlage aufgebaut. Andreas Rödl, 2. Bürgermeister der Stadt betont:“ Der ganze Ort macht mit. Die Passionsspiele sind der soziale Faktor in Oberammergau.“. Sie sind auch ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor, mit den Passionssielen, der idyllischen Kulisse der Marke Oberammergau, den Geschäften mit Devotionalien und den Hotels, die nach der Corona-Krise endlich wieder Gäste beherbergen dürfen. Fast scheint es, als ob Jesus ein Wunder bewirkt hätte?

 

Christian Stückl, der 60-ig Jährige Spielleiter in Oberammergau und auch Intendant des Volkstheaters in München, hat Traditionelles der Passionsspiele wie die „ Lebenden Bilder“ mit einer Neuauflage der Inszenierung revolutioniert. Er erläutert: „ Wir erzählen die Leidensgeschichte von Jesus, wir erzählen die Lebensgeschichte von Jesus: Was wollte er, wofür wurde er ans Kreuz geschlagen?“.

 

Er hat nicht nur die antisemitischen Tendenzen der 50-iger Jahre geändert. Jesus war ein Jude und spricht auch hebräisch .Die Inszenierung hat Stückl aus der inneren Weltsicht des Jesus von Nazareth gestaltet. Diese Aufführung zeigt einen lauten Jesus, der diskutiert, der bei der Tempelaustreibung laut wird und der sich nicht mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten abfindet. So sieht der Spielleiter Jesus von Nazareth, der sich als Fürsprecher der einfachen Menschen sich über den Promiandrang vielleicht nicht so gefreut hätte? Aber Jesus macht keinen Unterschied zwischen den Menschen!

„2022 sind die Passionsspiele ein Erlebnis mit den Darstellern in naturfarbenen und historisch angepassten Kleidern, einem musikalisch imposanten Chor und zwei Jesusdarstellern. Die Musik hat sich ebenfalls an die Neuinszenierung angepasst. Für die Kreuzigungsszene wurde neue Musik geschrieben. Diese hebt sich zur Musik vor den lebenden Bildern des Chores ab, die gleichsam, wie bei einem Oratorium singen. Der Ablauf ist fließender gestaltet.

 

Walter Utz, weißhaariger Darsteller auf der Bühne und Vertriebsleiter der Passionsspiele, freut sich über die 75 prozentige Auslastung der Passionsspiele 2022. Ein Drittel der Zuschauer kam aus dem USA. Das Theater fasst 4400 Menschen mit frischer Luft als Freiluftbühne und vielen Decken für das alpenländische Klima. Es gibt öffentliche Proben und es können auch noch Karten gebucht werden. Wer mit dem Zug kommt, sollte ein Ticket haben, wegen des G7 Gipfels und strenger Auflagen wie im alten Rom! Erfreulich, der letzte Zug fährt nach der Vorstellung direkt von Oberammergau nach München. Endlich sind die Passionsspiele zurück! Jesus, Mohammed und Buddha hätten sich bei einem Treffen sicher gut verstanden, gerade auch im Bergidyll mit Biss im alpenländischen Oberammergau.

 

Vicky Krieps in der Rolle der Kaiserin Elisabeth in CORSAGE. © Ricardo Vaz Palma / Alamode Film
01 Portraitaufnahme Johanna Spyri, ca. 1880, Heidi-Archiv, Heidiseum
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Robert Haas // Die Initiator*innen von links nach rechts: Anna Kleeblatt, Festivalleitung; Max Wagner, Geschäftsführer Gasteig München GmbH; Prof. Dr. Gudrun Kadereit, Direktorin Botanischer Garten München-Nymphenburg; Dr. Roger Diederen, Direktor der Kun
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