TV & Kino 2014
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ORIGINELLSTER FILM: Die Regisseurin Zeng Zeng erhält den Wolfgang Längsfeld Preis für Summer Secret der mit 7500 Euro dotiert ist.

Summer Secret

(MING YUE DE SHU QI RI JI)

China 2014

Original mit englischen Untertiteln

(Original: Chinesisch)

Deutsche Premiere, 25min

Farbe / Format: DCP / Color

Regie: Zeng Zeng

 

 

 

Die Regisseurin Zeng Zeng freut sich über Ihren Preis auf der Abschlussparty des Filmschool Festes München 2014. Sie weiß allerdings nicht, ob sie das Geld auch behalten darf. „Meine Schule ist sicher stolz auf mich, wenn ich wieder in Beijing bin, aber ich werde ehrlich sagen, wie viel Geld ich gewonnen habe,“ bekennt sie kurz nach der Preisverleihung. Ihr Debutfilm aus dem Jahr 2014 Summer zeigt eine aufstrebende Künstlerin und Regisseurin Zeng Zeng. Sie ist die einzige weibliche Regisseurin an ihrer Akademie.

 

Zeng Zeng ist eine zierliche Person, mit klassischem chinesischem Gesicht,  die sich schon im Filmmuseum München als sehr höfliche Person erweist, sie verbeugt sich vor den Zuschauern wie eine Prima Ballerina. Auf der Preisverleihung strahlt die Künstlerin auf der Bühne und ist überrascht über die Auszeichnung. Der Film ist originell, poetisch, spannend wie ein Thriller und gleichzeitig eine Sozialstudie über das moderne China mit vielen Zwischentönen. Secret Summer zeigt mit dem einzelnen Schicksal paradigmatisch die Geschichte des modernen, sich wandelnden China auf.

 

Die chinesische Regisseurin drehte den Film Summer Secret in der Provinz Hu Nan, aus der sie stammt: einer Flusslandschaft mit chinesischen Fischern, einer Behausung am Fluss und einer Fähre zwischen dem Land und der großen Stadt.  Mittlerweile lebt die Künstlerin in Beijing, weil sie an der Filmakademie studiert. Die Regisseurin sagt über ihren Film: „Die Geschichte basiert auf einer wahren Geschichte eines Mädchens, dessen Vater ermordet wurde. Der Mörder wurde nie gefunden. Ich wollte aufgrund dieser wahren Geschichte einen Film realisieren.“ Sie hat mit der Darstellerin einige Wochen gelebt und diese konnte in ihre Rolle hineinwachsen.

 

Das ist der Film: Die 14-jährige Mingyue sollte als Hausaufgabe ein Tagebuch über ihre Sommerferien verfassen. In der Schule wird jedoch statt der Hausaufgabe fälschlicherweise ihr echtes Tagebuch eingesammelt. So erhält der Lehrer Herr Li unerwartet einen persönlichen Einblick in Mingyues Seelenleben.  Diese Szene gilt als filmische Klammer für die weitere Erzählung. Das Mädchen spricht mit ihrem verstorbenen Vater und schreibt in ihrem Tagebuch alles, was ihr auf dem Herzen liegt: ihre Mutter arbeitet in einem Nachtclub und hat fast nie Zeit für das Mädchen.Die Mutter ist alleine und Mingyues verbringt ihre Ferien Zuhause.

 

Zeng Zeng:  „Die Mutter kennt nicht die Kunst, eine Mutter zu sein. Das Mädchen liebt ihre Mutter, aber gleichzeitig haßt sie die Mutter, weil sie nie Zeit für sie hat.” Die Familie, nämlich Mutter und Tochter, leben am Fluss in einem ärmlichen Haus und da Mädchen muss selbst fast jeden Tag kochen. In verschiedenen Szenen stellt die Regisseurin das innere Leben von Mingyues dar. Sie sieht ihre Mutter in einem Boot ohne Unterhose. Es erscheint immer wieder ein Verehrer in gestreiftem gelb-schwarzen Hemd. Diesen empfindet das Mädchen als Bedrohung;  In eindrucksvollen Bildern zeigt Regisseurin Zeng Zeng wie das Mädchen unter ihrer Einsamkeit leidet: Eines Tages holt sie sich einen Goldfisch bei einem Händler, ihre Mutter beachtet sie gar nicht und spielt Karten mit ihren Freundinnen. Dieser Goldfisch taucht in einer Schlüsselszene wieder auf, die traumhaft anmutet: Das Mädchen mit dem Bild ihres Vaters in einem engen Raum, das Wasser dringt ein. Sie verlässt diesen Raum, es ist ein Häuschen im Wasser. Gekleidet und geschminkt ist sie wie ihre Mutter. Der Goldfisch fällt aus ihrem Rock und verschwindet im Wasser. Ein Symbol für ihr sexuelles Erwachen? Der verstorbene Vater steht am anderen Ufer im Wasser.

 

An einem Abend wirft Mingyues den Liebhaber der Mutter über Bord. Ist das Realität oder Fiktion des Mädchens? Der Zuschauer weiß es nicht. Zeng Zeng: "Es gibt viele Meinungen über diese Szene. Einige Leute denken, sie hat den Liebhaber der Mutter ermordet, einige denken, dass sie es nicht getan hat. Ich lasse die Zuschauer entscheiden wie sie diese Szene sehen wollen.“

 

Es wäre schön, wenn dieser Film auch in den deutschen Kinos gezeigt werden könnte. Prädikat: Sehr wertvoll.

 

 

Fritz Gerlich
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