„Treten Sie ein! Treten Sie aus! Warum Menschen ihre Religion wechseln"

Eine Ausstellung der Jüdischen Museen Hohenems, Frankfurt am Main und München 02. Oktober 2013 bis einschließlich 02. Februar 2014

Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht. Dazu gehört nicht nur das Recht religiöser Gemeinschaften auf ungehinderte Religionsausübung, sondern auch das Recht, die Religion zu wechseln. In der Beziehung zwischen Religionen ist heute viel von Toleranz, gegenseitiger Anerkennung und Dialog die Rede. Doch Konversion, also der Übertritt von einem Glauben zum anderen, ist oftmals mit Konflikten beladen.Wer konvertiert, stellt das Glaubensgebäude,das er oder sie verlässt, in Frage. Und bestätigt den Anspruch auf Wahrheit, den jene Religion erhebt, zu der man sich wendet. Lange Zeit waren Konversionen gekennzeichnet von Zwang, sozialem Druck undf orcierter Assimilation. Das galt nicht zuletzt für Übertritte vom Judentum zum Christentum.

 

Gesellschaftliche Diskussionen über das Thema verlaufen auch heute keineswegs konfliktfrei, vielmehr berühren sie neue Tabus und offene Fragen.

 

Die Jüdischen Museen in Hohenems, Frankfurt am Main und München bieten diesen Kontroversen mit einer gemeinsamen Ausstellung eine Bühne. Die Vielfalt der individuellen Motive, der unterschiedliche Umgang von Glaubensgemeinschaften mit Konvertiten, ihre Rituale, und schließlich auch die persönlichen Erfolge und Misserfolge von Menschen, die ihre Religion wechseln, werden in dieser Ausstellung in ihrer Widersprüchlichkeit entfaltet. Dabei wird manch scheinbare Gewissheit und manches eindimensionale Bild in Frage gestellt.

 

Konversionen dienen den unterschiedlichsten Interessen: Für die Religionen und ihre Gemeinschaften bedeuten sie einen Zuwachs an Gläubigen, an politischer Macht, an materiellen Ressourcen. Für die Konvertiten selbst geht es um ihre Identität und spirituelle Sinnerfüllung, zuweilen auch um finanzielle oder materielle Vorteile. Es geht um Vermeidung oder (scheinbare) Lösung von persönlichen Konflikten, um Akzeptanz in einer Gemeinschaft, um die Möglichkeit von Heirat und sozialem Aufstieg.

 

Neue Fragen

 

Eine neue Dramatik gewinnt das Thema vor dem Hintergrund globaler Migration und der begonnenen Neuerfindung Europas. Der Islamistin Europa unwiderruflich angekommen, genauer gesagt: zurückgekehrt. Damit verändert sich auch die Diskussion über das Verhältnis von Mehrheits- und Minderheitskulturen. Minderheiten sind nicht überall Minderheiten- und Mehrheiten nicht überall Mehrheiten.

 

 

Menschen wechseln heute nicht nur zwischen den drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, sie wenden sich auch asiatischen Weisheitslehren oder neuen religiösen Bewegungen zu. Es geht dabei nicht nur um Spiritualität, sondern auch um Beziehungsfragen. Die Gründe für Konversionen sind vielfältig: Familiengründung oder gesellschaftlicher Status, Gruppenidentität oder persönliche Revolte.

 

DieAusstellung

 

Die Ausstellung „Treten Sie ein! Treten Sie aus! Warum Menschen ihre Religion  wechseln" führt diese Debatten zurück auf konkrete Akteure und auf die Dimension biografischen Erlebens. Konversion heißt auch, die eigene Biografie in ein „Vorher"und ein "Nachher" zu teilen, und in eine „Passage", die diesem Übergang zumeist in einem Ritual seine Formgibt. Die Ausstellung folgt dabei Konvertiten auf ihrem Weg von einer Religion zur anderen und beobachtet, ob sich ihre Wünsche und Hoffnungen erfüllten, ob ihre Probleme sich auf diesem Wege lösen ließen oder bestehen blieben.

 

Die Ausstellung erzählt von Konvertiten und ihren Dramen, quer durch Zeiten und Räume Europas, von bekannten Persönlichkeiten wie Heinrich Heine, Gustav Mahler oder Moritz Saphir. Sie erzählt aber auch von Unbekannten. Deren Erzählungen lenken den Blick auf die alltägliche und unspektakuläre Dimension der langen Geschichte der Konversion.

 

Kuratoren:Hannes Sulzenbacher, Regina Laudage-Kleeberg Ausstellungsgestaltung: Martin Kohlbauer

 

 

 

 

GABRIELE MÜNTER Bildnis Marianne von Werefkin, 1909 Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Anne-Mary Deutsch, Künstlerin aus Freiburg lebt auf dem Planet Schwarzwald

Gib jedem Tag die Chance, der schönste Deines Lebens zu werden. Mark Twain

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