Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle überzeugt von den Entwürfen von Architekten und Gestaltern für Gedenkort – Jury hat sechs Entwürfe begutachtet:

„Das blutige Attentat auf die israelischen Sportler macht noch heute die Menschen in Bayern tief betroffen. " Sich erinnern heißt Innehalten – an einem Erinnerungsort am ehemaligen „Pressehügel“ im Olympiagelände

 

 

MÜNCHEN. Bis September 2016 soll auf dem ehemaligen Olympiagelände ein Erinnerungsort an das terroristische Olympia-Attentat München 1972 und seine Opfer, elf israelische Sportler und ein Polizist aus Bayern, gebaut werden. Bayerns Bildungs- und Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle beauftragte ein konkurrierendes Verfahren zwischen mehreren Architektur- und Gestaltungsbüros, um dieses Ziel zu verwirklichen.

„Ich bin sehr dankbar, dass hier Architekten und Ausstellungsgestaltungsbüros kreative Ideen entwickelt haben, um unser Anliegen, einen Erinnerungsort Olympia-Attentat München 1972 zu schaffen, realisieren zu helfen“, so Minister Spaenle. „Auch heute macht diese Bluttat von Terroristen die Menschen in Bayern tief betroffen“, betonte der gebürtige Münchner Ludwig Spaenle. „Das blutige Attentat im Umfeld der friedlichen XX. Olympischen Spiele wirft nach wie vor Fragen zu den Ursachen, zum Ablauf und zu den Konsequenzen auf. Es darf nicht in Vergessenheit geraten.

Ministerpräsident Seehofer und Minister Spaenle haben bei ihrem Israelbesuch 2012 angeregt, einen Erinnerungsort  zu errichten. „Diesem Anliegen sind wir nun mit der Bewertung der Entwürfe ein entscheidendes Stück näher gekommen“, so Dr. Spaenle.

Dabei geht es dem Minister um drei Kernanliegen: Der Gedenkort soll an das Geschehene erinnern, dieses erklären und daraus Schlüsse ziehen helfen, um den Alltag zu gestalten. Alle Entwürfe liefern für Minister Spaenle interessante Aspekte.

Im September hatte eine Jury die eingereichten sechs Entwürfe bewertet. Deren Vorsitzende, Professorin Barbara Holzer, stellte am 21. September 2014 gemeinsam mit Minister Spaenle im Jüdischen Museum München den Siegerentwurf vor. Es ist eine Arbeit des Büros Brückner & Brückner Architekten.

Letztlich traf die Jury aber eine klare Entscheidung, die die Jury-Vorsitzende Barbara Holzer wie folgt zusammenfasste:

„Der Siegerentwurf des Büros Brückner & Brückner zeichnet sich in besonderer Weise dadurch aus, dass er einen Raum schafft, der mit der vorhandenen Landschaft in Interaktion tritt: Ein Schnitt durch den bestehenden Hügel schafft einen Ort des Innehaltens, der in unmittelbarem Bezug zum Tatort Connollystraße 31 steht. Der so entstehende geschützte Ort bietet gleichzeitig überzeugend den Rahmen für die Darstellung der Geschichte des terroristischen Anschlags und der Biographien der Opfer. Die Arbeit öffnet ausreichend Spielraum für die weitere kuratorische Entwicklung. Der Entwurf gestaltet einen Erinnerungsort, in dem sich die Besucher auf die Opfer besinnen können. Er verbindet Konzentration und Kontemplation einerseits mit dem Moment der Irritation andererseits.

Der konzipierte Raum bietet ausreichend Fläche für Gruppen; die überdachte, Atrium ähnliche Konstruktion schafft eine Aura der Würde. Der Raum ermöglicht gleichzeitig durch seine Offenheit und seine Positionierung eine intensive Befassung mit  den  inhaltlichen Schwerpunkten des Konzepts: der politischen Dimension Olympias, den Nachwirkungen des Attentats, dem internationalen Terrorismus und den deutsch-israelischen Beziehungen.“

 

Staatsminister Dr. Spaenle zum Siegerentwurf: „Dies ist ein faszinierender Entwurf: Der von Brückner & Brückner geschaffene Raum bietet Informationen in einer würdigen architektonischen Form.“ Minister Spaenle bedankte sich ausdrücklich bei allen Beteiligten und den Förderern des wichtigen Projektes.

 

Der israelische Generalkonsul Dr. Dan Shaham betonte: „Der Raum schafft ein Zentrum, in dem sich Gruppen zusammen finden, sich aber auch individuell informieren können. Es ist ein definierter und dennoch freier Ort der Begegnung. Der Raum strahlt Würde aus, in ihm können sich die Besucher Zeit nehmen, um sich über das Attentat, über die israelischen Sportler und auch den getöteten deutschen Polizisten zu informieren. Hierdurch wird ein tieferes Wissen über die Themen, die hier vermittelt werden, erreicht.“

 

Zur Jury und zum Verfahren

Das konkurrierende Verfahren hatte das Staatliche Bauamt München II durchgeführt. Die Wertungskommission setzte sich aus Experten verschiedener Fachrichtungen und Vertretern mehrerer Einrichtungen zusammen. Ferner gehörten ihr Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle, Münchens Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers und der Generalkonsul des Staates Israel, Dr. Dan Shaham, an.

 

Inhaltlich stehen folgende Aspekte im Mittelpunkt der Konzeption des Gedenkortes:

  1. das Attentat am 5./6. September 1972 in München und Fürstenfeldbruck,
  2. die elf israelischen Sportler, denen das Attentat galt und die Opfer wurden,
  3. die politische Dimension der XX. Olympischen Spiele in München 1972,
  4. die Nachwirkungen des Attentats,
  5. die deutsch-israelischen Beziehungen und
  6. der internationale Terrorismus der 1970er Jahre.
  7. In die Konzeption werden auch die Ereignisse am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck einbezogen.

 

Die Konzeption des Gedenkortes ist von Experten der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, des Jüdischen Museums in München und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in engem Dialog mit Angehörigen der Opfer, mit den zuständigen Behörden sowie dem Generalkonsulat des Staates Israel erstellt worden.

 

Die Kosten übernimmt zunächst der Bayerische Staat in Höhe von 1,7 Millionen Euro, 53.000 Euro wird davon die Stadt München übernehmen, 53.000 die BRD,  zirka 250.000 eine Foundation aus den USA; 20.000 das Deutsche Olympische Komitee.

 

 

Ihre Entwürfe eingereicht hatten folgende Büros:

 

hg merz architekten museumsgestalter, Berlin, Stuttgart

Bertron Schwarz Frey, Berlin, Ulm, mit Tehiru Architects, Tel Aviv Martin Kohlbauer Architekt, Wien

chezweitz, Berlin

Brückner  &  Brückner  Architekten  mit  Dr.  Winfried  Helm,  Würzburg,

Tirschenreuth

sinai. Landschaftsarchitekten mit ON architektur, Berlin

 

Die Entwürfe der sechs Agenturen sind in den kommenden Tagen im Jüdischen Museum München, St. Jakobsplatz 16, in München zu sehen, und zwar am 23. und 24. September, vom 27. September bis 3. Oktober und am 5. Oktober – und zwar jeweils 10 bis 18 Uhr.

 

 

Informationen zur Projektgruppe und weiteren Beteiligten:

 

Projektleitung

Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

 

Federführung und Koordination:

Werner Karg, Katharina Willimski

Kuratorische Arbeit und wissenschaftliche Mitarbeit

Piritta Kleiner, Michael Bader

Verwaltung und Haushalt

Gabriele Kamm, Thorsten Vogelgsang

 

Leitung bauliche Planung und Realisierung

Staatsbauverwaltung Staatliches Bauamt München 2

Gero Hoffmann, Elena Schirnding de Almeida

 

Konzeption

Werner Karg, Bernhard Purin, Dr. Jörg Skriebeleit

 

 

Politische Partner

Staatsminister Dr. Spaenle (StMBW), Bundesminister Dr. de Maizière (BMI), Staatsminister Herrmann (StMI), Generalkonsul Dr. Shaham (Israel.

Generalkonsulat), Präsidentin Dr. h.c. Knobloch (Israelitische Kultusgemeinde), Generaldirektor Dr. Vesper (DOSB), Landrat Karmasin (Lkr. FFB)

 

Interministerielle Arbeitsgruppe

Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Bayerisches Staatsministerium für Finanzen, Ländliche Entwicklung und Heimat, Bayerisches Staatsministerium des Inneren,

Bayerische Staatskanzlei

 

Wissenschaftliche Begleitung

Prof. Dr. Brenner, Prof. Dr. Kramer, Prof. Dr. Wolffsohn

GABRIELE MÜNTER Bildnis Marianne von Werefkin, 1909 Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Anne-Mary Deutsch, Künstlerin aus Freiburg lebt auf dem Planet Schwarzwald

Gib jedem Tag die Chance, der schönste Deines Lebens zu werden. Mark Twain

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