Michaela May im Interview 

Es wird spannend im TVin diesem Herbst. Mit neuen Produktionen wartet das zdf auf, Michaela May spielt in "Ein Sommer im Allgäu" und "Meine Verrückte Familie" Mütter in verschiedenen Rollen. Sie wird in "Meine Verrückter Familie" als Frau von ihrem Mann verlassen und steht vor der Tür ihrer Tochter. In "Ein Sommer im Allgäu" kümmert sie sich um eine Tochter, die im Rollstuhl sitzt. Lesen Sie mehr im exklusiven Interview zu Ihrer Rolle als Mutter, Ehefrau, verlassene Ehefrau und ihrem Erfolg als Schauspielerin....

 

 

 

 

Welche Rolle der Mutter bevorzugen Sie, die der Mutter Irene Leitner in „Ein Sommer im Allgäu“ oder die der Barbara Sheridan im Film „Meine verrückte Familie?“

 

Michaela May:

 

„Ich wäre lieber die Mutter Irene in „Ein Sommer im Allgäu“ als die Mutter Barbara in „Meine verrückte Familie“. Im Film „Meine verrückte Familie“ sucht Barbara Sheridan Zuflucht bei ihrer Tochter Stella, weil es mit dem Mann gekracht hat und sie ist da ein wenig übergriffig gegenüber ihrer Tochter. Ich kenne übrigens diese Übergriffigkeit von meiner Mutter überhaupt nicht, da sie mir immer sehr viel Freiheit gelassen und sich wenig eingemischt hat. Ich bin ein Mensch, der sehr allergisch reagiert, wenn jemand versucht in mein Leben einzugreifen und mich in eine Richtung zu biegen. Ich hatte auch immer Partner, die mir eine gewisse Freiheit gelassen haben, weil ich das nicht vertrage. Deswegen weiß ich das auch im privaten Leben zu genießen und würde meine Töchter schon in Ruhe lassen.“

 

 

„Sie haben zwei Töchter. Wie gehen Sie mit ihren eigenen Töchtern um?“

 

Michaela May:

„Ja, ich habe zwei Töchter, die leben beide allerdings nicht in München, so dass die Gefahr einer solcher körperlichen Übergriffigkeit gar nicht möglich wäre (lacht). Aber ich würde nicht wie im Film jeden Tag bei meinen beiden Töchtern anrufen, da ich ein Mensch bin der nicht viel telefoniert. Für meine Töchter bin ich aber immer da, das wissen sie auch ganz genau. Für Ratschläge bin ich immer zu erreichen, ein Anlaufpunkt bei Sorgen und Nöten. Das hoffe ich auch, dass meine Kinder das gerne wahrnehmen. Ich von mir aus trotzdem eher dafür, sie ihr Leben einfach frei leben zu lassen.“

 

„Die junge Frau im Rollstuhl, Jennifer Ulrich als Bärbel Leitner hat die Hauptrolle im Film „Ein Sommer im Allgäu“ und sie als Mutter Irene Leitner diesmal ausnahmsweise eine Nebenrolle? Wie war das für Sie?“

 

Michaela May:

„Ja klar, die junge Frau im Rollstuhl, Jennifer Ulrich als Bärbel Leitner. Für mich war diese Darstellung als Mutter Irene wichtig, sonst hätte ich diese Rolle nicht gespielt. Eltern im Film und im wahren Leben müssen mit der Sprachlosigkeit und diesem Los umgehen, dass die Tochter jetzt körperlich behindert ist und dann möglichst alles für das Kind tun. Die Liebe der Familie ist im Film ein wichtiger Haltepunkt für Bärbel Leitner als Tochter. Das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann, ist es, wenn dem Kind so etwas zustößt oder die Mutter das Kind womöglich verliert. In diesem Fall ist es so ein Schicksalsschlag, der ihr die Tochter Bärbel wieder in diesem Zustand nach Hause bringt, das wünscht sich niemand. Die Mutter sieht wie das Kind kämpft und spürt, wie es ihrer Tochter geht, denn die Nabelschnur reißt nie ab.“

 

„Waren Sie ein gutes Team bei ein „Sommer im Allgäu und in „Meine Verrückte Familie“?“

 

Michaela May:

„Ich habe mich auf meinen Kollegen Andreas Schmidt-Schaller gefreut, mit dem ich den Polizeiruf gemacht habe. Gerne habe ich mit Jennifer Ulrich gespielt, mit der ich sehr eng verbunden bin. Die hätte meine eigene Tochter sein können. In beiden Filmen war das so der Fall. Wir waren beim Dreh im Film „Meine verrückte Familie“ in einem Haus zusammen mit dem Andreas Schmidt-Schaller. Wir haben fast wie eine Familie zusammengelebt. Das war sehr schön.“

 

 

„Sie haben eine beeindruckende Vita, wie schaffen Sie es, so lange ein Stern am „Schauspielerhimmel“ im Deutschen Fernsehen und auf der Bühne zu bleiben?“

 

Michaela May:

„Als Schauspielerin sollte man nie aussetzen. Auch als ich schwanger war, habe ich versucht, immer dabei zu bleiben und möglichst abwechslungsreiche Rollen zu spielen. Ich habe mich nicht so auf ein Rollenmuster festgelegt. Niemand sagt: Die Michaela May hat nur Bayerische Serien mit Herrn Dietl gedreht oder sie war nur Kommissarin beim Polizeiruf oder sie hat nur Sonntagfilme gemacht oder nur im Traumschiff oder nur in Tragödien gespielt. Die Vielfältigkeit ist es, was einem das lange Leben als Schauspieler erhält. Man sollte nicht so festgefahren sein. Ich habe eine Kollegin, die 10 Jahre in einer Serie bei RTL gespielt hat. Dann war es aus. Es ist gefährlich, wenn man sich nur auf eine Rolle festlegt, auch wenn es eine gute Absicherung für das Leben ist, wenn man in einem solchen „Dauerbrenner“ spielt. Ich habe auch schon in Serien gespielt, aber nach einer Weile oder währenddessen ganz andere Dinge noch zusätzlich zu machen.“

 

 

„Sie sind schon sehr bescheiden, Sie sind doch seit Jahrzehnten in der obersten Schauspieleriege. Was würden Sie einem jungen Kollegen oder Kollegin sagen, was er oder sie tun soll, um erfolgreich zu sein?“

 

Michaela May:

„Erst einmal alles spielen und Erfahrung sammeln und schauen, wo die eigenen Stärken liegen. Dann möglichst versuchen, sich auf dieses Genre oder diese Art des Spieles zu konzentrieren.  Ich hätte beispielsweise nie Shakespeare spielen können, mir fallen Klassiker schwer. Da ich das nie gemacht habe, ist das ein Genre, wo ich mich nie hin trauen würde! Als junger Schauspieler sollte man daher die eigenen Möglichkeiten erkennen und darin sich verstärken. Was ganz wichtig ist: Nicht neutral Trauer, Freude, Liebe, Lust spielen, sondern in sich selbst hineinhören und mit dem eigenen unverwechselbaren Charakter versuchen, diesen darzustellen. Als junger Kollege ist das schwer, zu sagen, nein, ich will da nicht sitzen, ich will da lieber stehen oder ich will so spielen. Da braucht man Durchsetzungsvermögen. Das ist auch noch ein Tipp. Wie bin ich in einer Situation, nur ich authentisch selbst?  Das ist wichtig ohne darauf zu schielen, das würde Brad Pitt auf diese Weise, Glenn Close so oder Meryl Streep so spielen. Ein Schauspieler sollte sich mit den Eigenheiten einbringen. Das ist, was einen Künstler besonders macht und warum man sagt, ich will nur diesen Schauspieler oder diese Schauspielerin sehen.“

 

 

„Wie gehen Sie mit dem Thema Inklusion im Alltag um?“

 

Michaela May:

„Ich selbst habe eine Freundin, die hatte zwei Schlaganfälle und war vorher Malerin. Sie kann aufgrund der Schlaganfälle kann jetzt nicht mehr gehen und kaum mehr reden. Wir versuchen sie in unserem Freundeskreis mit dem Rollstuhl auszufahren, ihr Freude zu bringen. Das was sie deutlich machen kann, was sie möchte, gerne erfüllen und mit ihr Zeit zu verbringen, sie nicht alleine zu lassen. Soweit die Zeit das zulässt, versuchen sich acht Freundinnen unserer Yogagruppe abzuwechseln, einmal die Woche dorthin zu gehen, um mit ihr zum Englischen Garten zu fahren oder anderes zu unternehmen. Wir machen in der Gruppe auch zusammen Yoga, treffen uns einmal die Woche, wenn wir da sind. Wir feiern Weihnachten zusammen und Geburtstage. Mein Mann ist mit einem Teil der Gruppe zurzeit in Griechenland. Wir sind eine ganz starke Freundesgruppe. Freunde sind genau in solchen Situationen sehr wichtig. Sie geben Halt und Freude.“

 

„Was macht für Sie eine tolle Familie aus? Welche Familie würden Sie in den Filmen bevorzugen, die in „Ein Sommer im Allgäu“ oder „Meine verrückte Familie?“

 

Michaela May:

„In jedem Fall ist der Einfluss und Wichtigkeit der Familie in beiden Filmen stark zu spüren. Im einen Fall hat er eine fast heilende Wirkung. Die Liebe der Eltern ist da für die gelähmte Frau in „Ein Sommer im Allgäu“ und die Liebe durch einen Mann. Die Familie hält zusammen und es gibt auch in beiden Filmen eine Schwester. In „Meine verrückte Familie“ versucht die Schwester, die Ehe der Mutter wieder gerade zu biegen und  von ihrem Ansinnen abzubringen, einen anderen Mann ins Leben zu lassen. Da ist der familiäre Zusammenhalt ebenfalls ganz groß, insofern ist das, obwohl es so unterschiedliche Geschichten sind, eine gemeinsame Aussage: „Die Familie wird immer zusammenhalten und an diese ist jeder Mensch immer gebunden und das idealerweise mit Liebe.


Hoffentlich bleibt jedem die Familie erhalten, damit ein Nest zur Zuflucht da ist, wie in „Meine verrückte Familie“. Die Mutter Barbara weiß, sie kann bei der Tochter Stella klingeln. Es ist wichtig, ein Netz und einen doppelten Boden in der Familie zu haben. Das ist eine wichtige Aussage in beiden Filmen. Beide Filme zeigen, wir brauchen einander wir sollten einander mit Liebe begegnen. Auch wenn einer mal nervt, muss jedes Familienmitglied den anderen ertragen.“

 

„Was würden Sie einer Frau raten, die von ihrem Mann verlassen worden ist wie in „Meine verrückte Familie?“

 

Michaela May:

 

„Es ist wichtig, sich nicht zu verkriechen und rauszugehen. In diesem Fall gehe ich als Barbara Sheridan zur Tochter Stella. Als Barbara lerne ich einen neuen Mann zufällig bei der Tochter kennen. Sie hat sich nicht in der Wohnung verkrochen. Es ist gut, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, den Hobbies nachzugehen und die Männer mal beiseite zu legen und gar nicht darauf zu achten. Das Schlimmste ist zu sagen, aber jetzt will ich mich rächen und suche mir einen neuen Mann, dann findet man keinen. Das passiert zufällig, sich wieder neu zu verlieben. Es ist gut, eine Trennung erst einmal zu verdauen. Positiv ist, all das nachzuholen, was in der Partnerschaft vielleicht nicht möglich war wie Reisen, Kurse, Hobbies, Tennis spielen, Sporteln, unter Leute gehen. Dann kommt das von ganz alleine. Liebe kann man nicht erzwingen und die vom Ex-Partner schon gar nicht. Eine Frau sollte sich nicht fragen: Was muss ich machen, dass mein Partner wieder zu mir kommt? Am besten gar nichts machen und selbst wieder im eigenen Leben aktiv werden. Das erzeugt in der Person, die einen verlassen hat, zumindest einen großen Respekt. Ich glaube allerdings nicht an aufgewärmte Beziehungen.“

 

Vielen Dank für das Interview!

GABRIELE MÜNTER Bildnis Marianne von Werefkin, 1909 Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Anne-Mary Deutsch, Künstlerin aus Freiburg lebt auf dem Planet Schwarzwald
Quelle: Tourismusverb. Wilder Kaiser
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