Schauspieler Ken Duken als Mark Tempel in der ZDF NEO Dramaserie Tempel ab 29.11. 2016

Frage:

„Herr Duken, Sie spielen in Tempel eine Figur, die einerseits total zärtlich und andererseits brutal ist. Wie können Sie das so in Einklang bringen?“

 

Ken Duken:

„Genau das war das Spannende für mich an der Figur. Ich darf mit Mark Tempel einen Menschen glaubwürdig darstellen, der einerseits dieses Tier in sich hat und  andererseits liebevoll alte Menschen pflegt und sich als Vater um seine Familie  kümmert. Das ist überhaupt der Reiz, diese Figur zu spielen.“

 

Frage:

„Wie kommen Sie mit der Gewalt im Kiez klar, die es in der Drama Serie Tempel gibt?“

 

Ken Duken:

„Es gibt, so finde ich, zwei unterschiedliche Formen von Gewalt: Das eine ist die Gewalt, die irrational und unberechtigt ist - und auch nicht nachvollziehbar weh tut. Man schaut sich das einfach nicht gerne an. Es gibt andererseits eine Art Gewalt, die wir alle nachvollziehen können. In jedem von uns steckt ein Gewaltpotential, wenn es um das wirklich Essentielle geht. Es ist eben dann die große Kunst, Emotion nachvollziehbar auf die Leinwand zu bringen. Das ist spannend.

 

Wenn Tempel für sich kämpft wie in einem Boxkampf mit kontrollierter und auch in anderen Szenen mit unkontrollierter Gewalt, ist dies alles nachvollziehbar. Der Zuschauer kann diese Emotionalität dann selbst empfinden und erleben. Es gibt nicht nur die Schwarz-weiß Zeichnung. Wenn sich Tempel irrational in der Serie verhält, kann sich jeder mit ihm identifizieren, weil wir alle in Grautönen gestrickt sind, nicht nur schwarz-weiß funktionieren.“

 

Frage:

„Wo haben Sie das Boxen gelernt?“

 

Ken Duken:

„Ich betreibe eine andere Sportart: Brazilian Jiu Jitsu und wenn ich nicht drehe, Thai Boxen. Das klassische Boxen musste ich erst für den Film Tempel lernen. Thai Boxen ist mehr mit Beinen, Knien, Ellbogen und ich mache das mit meinem Trainer zur generellen Vorbereitung auf Filme, um  fit zu sein und zu bleiben.“

 

Frage:

„Sie sehen ja sehr fit aus! Sie stehen für ihre Familie in der Serie Tempel ein. Wie finden Sie Ihre Ehefrau Sandra Tempel?“

 

Ken Duken:

„Diese Familie ist ein spannendes Konzept. Tempel liebt seine Frau Sandra wahnsinnig, hat aber eine Problematik mit Nähe, seitdem sie im Rollstuhl ist. Das sind alles Dinge, die man als Zuschauer nicht toll finden muss, aber die greifbar und lebensnah sind. Dieser Kontrast und Konflikt macht die Spannung aus, die es zwischen Sandra und Mark Tempel gibt. Er ist für seine Familie da und liebt sie, aber vielleicht nicht mehr in der Art wie es diese Familie braucht. Alles richtig machen zu wollen und dabei alles falsch zu machen, das macht ihn so menschlich.“

 

Frage:

„Tempel kehrt zurück zu seinen Wurzeln, in die Boxschule. Man sieht den Widerstreit zwischen seinen Gefühlen. Er trifft dann wieder seine alte Liebe, was Sie intensiv spielen. Wo haben Sie das gelernt, so intensiv zu spielen?“

 

Ken Duken:

(Lacht). „Das ist meine Art zu spielen. So versuche ich die letzten 20 Jahre sehr emotional an die Figuren ran zu gehen. Über die Jahre habe ich gelernt, der Schwere eine gewisse Leichtigkeit zu geben, und dadurch kann die Schwere besser wirken.“

 

 

Frage:

„Schauspieler ist ja offensichtlich Ihr Traumberuf oder führen Sie genauso gerne Regie?“

 

Ken Duken:

„Ich bin Cineast und Filmemacher, aber in erster Linie Schauspieler. Ich bin jedoch kein Mensch, der rum sitzt und Däumchen dreht, wenn mir bestimmte Dinge nicht gefallen.

Die Entwicklung in Deutschland gefällt mir zurzeit sehr gut. Ich mache gerne eigene Projekte. Gerade sich immer wieder auszuprobieren, ist der Grund, warum ich auch Schauspieler geworden bin. Immer wieder das Gleiche abzuliefern, wäre langweilig. Es reizt mich generell, ob in der Regie oder beim Schauspiel, neue Wege zu gehen. Ob ich produziert habe oder inszeniert, es hat mich immer wieder in der Entwicklung gefördert.“

 

Frage:

„Könnten Sie sich vorstellen, das die 6 Mal 30 Minuten Serie Tempel ein längeres Format werden könnten?“

 

Ken Duken:

„Das müsste ich wieder über die Bücher entscheiden. Weitere Folgen würden sich auf jeden Fall sehr anbieten.“

 

Frage:

„Sie sagten, für den Regisseur würden Sie alles machen?“

 

Ken Duken:

„Philipp (Leinemann) ist ein toller Regisseur. Wenn ich mit ihm drehe, weiß ich, es ist gut.“

 

Frage:

„Wer hat sie beruflich besonders inspiriert?“

 

Ken Duken:

„So viele Menschen haben mich inspiriert. Alleine mit diesem Projekt, fast  jeder meiner Kollegen und Kolleginnen inspiriert mich. Mein Spiel ist sehr „reaktiv“. Ich funktioniere über meine Schauspielerkollegen. Mit reaktiv meine ich: ich agiere nicht so intensiv selbst, sondern ich reagiere auf das Gegenüber, dann kann ich das auch im Spiel umsetzen. Ich bin kein Mensch, der eine Figur nach Schablone formt und sagt, so muss ich das dann spielen. Ich habe Eckdaten, die sind mir wichtig, sonst  wäre ich unglaubwürdig. Aber gleichzeitig reagiere ich spontan, auf das, was dann tatsächlich beim Dreh passiert.“

 

Frage

„Was halten Sie von der Gentrifizierung wie es sie in New York gibt?“

 

Ken Duken:

„Die erleben Sie auch in München. Der Lebensraum in den Ballungsgebieten ist so sehr teuer geworden, wie es in London, Rom, New York, Paris passiert. Jede Frau, die Ihnen hier die Brötchen verkauft und in der Stadt arbeitet, wird, wenn sie jetzt eine Wohnung sucht, 60 oder siebzig Kilometer aus der Stadt gedrängt. Es geht  in der Serie genau darum, dass es im Kiez keine Wohnungen mehr gibt. Der Schlägertrupp ist dann eine Symbolisierung der Situation, in der wir uns befinden. Ich glaube ich wäre nicht der Mensch, mit dem man so einen Horror machen sollte…“

 

 

Frage:

„Die Chiara Schoras und Michelle Barthel und Sie passen als Ensemble gut zusammen. Ist das für Sie die Idealbesetzung?“

 

Ken Duken:

„Es ist eine tolle Besetzung. Wir sind wahrscheinlich alle austauschbar, aber so wie es jetzt war, ist es für mich am Schönsten. Ich habe zwei unfassbar professionelle Kollegen vor mir, mit denen ich spielen darf. Der Zufall des Schicksals hat so entschieden, dass wir das so zusammen machen und wir haben uns dann dafür entschieden. Chiara und Michelle geben mir jeden Tag wirklich wunderbare Geschenke. Mit dem Regisseur Philip Leinemann war und ist es der Idealfall.“

 

Frage:

„Was würden Sie einem jungen Schauspieler raten?“

 

Ken Duken:

„Jeder geht da anders ran. Ich habe eine Vision, die ich umsetze und weiterentwickle. Das was ich mache, dafür lebe und liebe ich.

 

Ich würde die Leute erst mal kennen lernen und auf die Menschen reagieren ohne ihnen Schablonen aufzudrücken. Jeder Mensch funktioniert da anders, hat eine andere Kraft und Energie in sich, da gibt es keine pauschalen Ratschläge.

 

Auf facebook habe ich kürzlich gepostet: Wenn man einen Goldfisch danach bewertet, auf einen Baum zu klettern, wird man den Goldfisch für dumm halten. Er wird aber ein Leben lang besser schwimmen, als wir.

 

Es geht mir darum herauszukristallisieren, wie viele Menschen um uns herum ein unendliches Potential haben und von der Gesellschaft in eine Ecke gedrängt werden, sich dann nicht entfalten können.  Ich wäre daher gerne für jeden in diesem Beruf da und helfe gerne. Denn jeder lernt gegenseitig voneinander. Nur einen generellen Tipp habe ich: So zu bleiben wie man ist.“

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Duken.

Fritz Gerlich
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