Astrid M. Fünderich im Interview

 

„Die Soko Stuttgart ist ein Klassiker bei Krimiserien mit einer ausgesprochen sympathischen Crew und Kommissarin Martina Seiffert, die von Ihnen dargestellt wird. Die Stuttgarter Skyline und Typen, die astrein schwäbisch „schwätzen“, macht den Charme der Serie aus. Was macht den Erfolg der Soko Stuttgart Ihrer Meinung nach aus?“

 

Astrid M. Fünderich:

 „Ich denke, die Zuschauer merken, dass wir uns gut verstehen. Die Verantwortlichen haben zu Beginn der Arbeit ein wirklich gutes Team zusammengestellt und bestimmte Archetypen besetzt, die eine Serie so braucht. Ich bin als Kommissarin Martina Seiffert eher die kühle Souveräne, dann gibt es den etwas stürmischen Jo Stoll, den Computernerd Rico Sander und Selma Kirsch als Kollegin,die moderiert.  Es gibt den Chef Michael Kaiser und die Buffo-Figur Schrotti und natürlich den Asservaten Friedemann Sonntag.“

 

Frage: Was gefällt Ihnen an der Rolle der Martina Seiffert, ich finde die nicht ganz so cool.“

 

Astrid M. Fünderich:

 „Es stimmt, es gibt durchaus Situationen, wo wir ihre kühle Art  aufgeweicht haben, was mir viel Spaß macht. Letztes Jahr gab es einen privaten Strang, mit der einen oder anderen Auseinandersetzung mit dem Film-Ehemann. Auch in Vernehmungen wird Martina inzwischen gelegentlich laut. Das muss allerdings gut dosiert sein, die Figur sollte nicht verraten werden. Martina Seiffert ist vielleicht etwas spießig, aber in einem guten Sinn: sie ist wertekonservativ, aber nicht altmodisch oder gar verbohrt. Sie hat einen ausgesprochenen Gerechtigkeitssinn mit der nötigen Übersicht. In brenzligen Situationen kann sie dadurch einen kühlen Kopf bewahren.“

 

 

„Der Kollege Jo wird in der neuen Folge auf spektakuläre Weise gekidnappt. Es gibt es ja tatsächlich, dass Menschen mit einem fingierten Verkehrsunfall entführt werden. Halten Sie es für möglich, dass ein Entführer mit einer Beziehungskiste einen solchen Aufwand mit Scharfschützen auslöst?“

 

Astrid M. Fünderich:

„Es ist schon so, dass Entführer relativ unberechenbar sind, weil sie sich in einer emotionalen Ausnahmesituation befinden. Geiselnehmer sind häufig Krisentäter und damit immens gefährlich. Und der Mann in dieser Folge hat immerhin mit Jo einen Polizisten und unseren Kollegen in seiner Gewalt. Wir können nicht in seinen Kopf schauen. Deswegen kommt in dieser Folge der ganze Apparat ins Laufen, um Jo wieder rauszuholen und das Ganze zu einem hoffentlich guten Ende zu bringen.“

 

 

 „Gibt es einen bestimmten Tätertypus im wahren Leben und beschäftigen Sie sich damit?“

 

Astrid M. Fünderich:

„Als ich vor 20 Jahren bei RTL mit den Cleveren angefangen habe, einer Serie, in der es um Serienmörder ging, habe ich viele FBI Fälle mit verschiedenen Täterprofilen studiert. Jetzt beschäftige ich mich nicht mehr so intensiv mit dem Thema. Man erfährt dabei mehr, über den Menschen, als einem lieb sein kann. In der Soko sind wir nicht ganz so psychologisch. In den 45 Minuten gibt es auch selten die Möglichkeit, so in die Tiefe zu gehen. Ab und zu gelingt das allerdings, wie in der angesprochenen 200. Folge. Denn Jo Stoll und sein Entführer verbringen viel Zeit miteinander. Da kann man ein gutes Profil des Täters entwerfen.

 

 

„Was ist an der 200. Folge der Soko Stuttgart besonders spannend?“

 

Astrid M. Fünderich:

 „Wir haben anfänglich keine Ahnung, wer mit Jo im Auto sitzt und was dieser Mensch vorhat. Wir müssen herausfinden, wer er ist, was seine Beweggründe sind und wir müssen rauskriegen, wo er und Jo sind. Schließlich wollen wir unseren Kollegen befreien! Da gibt es ein paar spannende Wendungen, die ich jetzt allerdings nicht verraten möchte.“

 

„Können Sie sich vorstellen, etwas anderes zu spielen als eine Kommissarin? Man wird ja schnell auf eine Rolle festgeschrieben, haben Sie da keine Angst?“

 

Astrid M. Fünderich:

 „Ob ich mir das vorstellen kann? Immer, auch nachts! Natürlich! Komischerweise werde ich das oft gefragt. Aber die Entscheider in der Branche sehen mich und denken: die Frau spielt eine Journalistin, Rechtsanwältin, Ärztin, Kommissarin. Durch mein Aussehen scheine  ich auf einen solchen Rollentyp festgelegt, was mich aber nicht so sehr stört, wie man vielleicht annehmen könnte. Solange ich für diese Rollen besetzt werde, ist das wunderbar. Das ist meine Sparte. Eine bayerische Bäuerin würde mir vermutlich niemand abnehmen, auch wenn ich fließend Bayerisch sprechen könnte. Ich bin eben eher ein Stadtgesicht.“

 

 

„Könnten Sie sich eine Frau vorstellen, die sich wandelt und romantisch wird?“

 

Astrid M. Fünderich:

 „Journalistinnen, Ärztinnen und Rechtsanwältinnen verlieben sich ja auch. Aber ich würde selbstverständlich gerne so eine Frau spielen, oder einfach mal eine Mutter in einem Familiendrama.  Sehr gerne auch einmal  die böse Stiefmutter oder böse Königin in einem Märchen.“

 

„Schauen Sie selbst auch fern?“

 

Astrid M. Fünderich:

 „Ehrlich gesagt in letzter Zeit schaue ich wenig fern. Ich müsste mir beruflich einfach mehr anschauen. Wenn ich nach einem Dreh abends gegen sieben nach Hause komme, ist anderthalb Stunden die Familie angesagt. Wir haben einen Sohn und um den kümmere ich mich dann und um meinen Mann. Ich habe dann oft keine Zeit mehr fernzusehen. Ich lerne noch für meine Rolle als Kommissarin und dann gehe ich schlafen.“

 

„Was gefällt Ihnen am Schwäbischen Umfeld?“

 

Astrid M. Fünderich:

 „Die Schwaben haben viel Humor, das sieht man auch an einer Figur wie Schrotti, und viel Herz. Ich selbst bin ja Rheinländerin und spreche kein Schwäbisch. Als wir 2009 ins Schwabenland kamen, sind uns die Menschen hier viel positiver begegnet, als wir das „befürchtet“ haben. Sie waren sehr offen und herzlich und wir haben in Rekordzeit einen wirklich netten Freundeskreis aufbauen können. Wenn man mit Mitte vierzig irgendwo hinzieht, ist das absolut nicht selbstverständlich. Darüber freue ich mich sehr.“

 

Vielen Dank für das Interview.

 

Durchgeknallt

Schnitt: Michael Reysz
Titelmusik: Uwe Schenk
Musik: Peter Gromer
Kamera: Bernhard Wagner
Buch: Hubert Eckert
Regie: Gero Weinreuter
Deutschland 2017

Ein vermeintlich harmloser Verkehrsunfall eskaliert. Kommissar Jo Stoll will den Streit der Unfallgegner schlichten, als er plötzlich niedergeschlagen und als Geisel genommen wird.

Das Team der SOKO Stuttgart setzt alle Hebel in Bewegung und findet heraus, dass es sich bei Jos Entführer um Gunther Rinn handelt. Rinn hat am Morgen einen Mann niedergestochen und anschließend die Nerven verloren.

Unterstützt durch die Hubschrauberstaffel, sind die Stuttgarter Einsatzkräfte Jo und seinem mit einer Pistole bewaffneten Entführer auf den Fersen. Jo gelingt es, unbemerkt von seinem Entführer, den Kollegen eine Nachricht zu hinterlassen. Dadurch wissen sie, dass Rinn verzweifelt nach seiner Frau Karla sucht. Die hat ihn vor Kurzem verlassen. Zudem finden die Ermittler heraus, dass Rinn den Mann, den er niedergestochen hat, für den Liebhaber seiner Frau hält. Somit ist nicht nur Jo in höchster Gefahr, sondern auch Rinns Frau Karla.

Der Entführer macht sich mit seiner Geisel Jo auf den Weg zu Karlas Freundin Heidrun Mehringer. Von dieser Aktion erfahren auch die Ermittler. Martina ist rechtzeitig vor Ort, trifft dort aber nur Heidrun an. Die erzählt, dass Karla bei einer anderen Freundin Unterschlupf gefunden hat – bei Isa Wittke. Ohne zu zögern, schickt Martina alle Einsatzkräfte dorthin.Unterdessen konnten Selma und Rico Jos Wagen ausfindig machen. Aber keine Spur vom Entführer und seiner Geisel. Das Einzige, was sie finden, sind eine Patronenhülse und Blutspuren.

Anne-Mary Deutsch, Künstlerin aus Freiburg lebt auf dem Planet Schwarzwald
Quelle: Tourismusverb. Wilder Kaiser
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