Der Gesang des Todes: Robert Musil und               der Erste Weltkrieg

Eine Ausstellung des Literaturhauses München in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte Schloss Tirol, mit freundlicher Unterstützung durch das Robert Musil Literatur Museum, Klagenfurt und die Internationale Robert Musil Gesellschaft, Klagenfurt Kuratoren: Reinhard G. Wittmann und Karolina Kühn

 

Wissenschaftliche Beratung: Karl Corino

Ausstellungsgestaltung: unodue{ (Costanza Puglisi und Florian Wenz)

 

Eröffnung: 26.2.2014

Ausstellungsdauer: 27.2.-22.6.2014

 

Ausstellungsort

 

Literaturhaus München, Galerie (EG)

Salvatorplatz 1, 80333 München

U-Bahnen U 3/6, U 4/5 bis Odeonsplatz

www.literaturhaus-muenchen.de

 

Ausstellungszeiten

 

Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa/So/Feiertage 10-18 Uhr

Eintritt: Euro 5.- / 3.- (inkl. Audioguide)

(Studierende zahlen montags nur 2.- Euro!)

 

 

»Krieg. Auf einer Bergspitze. Tal friedlich wie auf einer Sommertour. Hinter der Sperrkette der Wachen geht man wie [ein] Tourist.« (Tagebuch, 1915)

 

»Ende Juli. Eine Fliege stirbt: Weltkrieg. Das Grammophon hat sich schon durch viele Abendstunden gearbeitet. […] In den Köpfen wolkt Traurigkeit und Tanz.« (Tagebuch, 1915) »Einzelne melancholische Gewehrschüsse; zeitweilig stärkeres Feuer – melancholisch in der Nacht. Beschiessung: Zusammenfassung: Der Tod singt hier.« (Tagebuch, undatiert)

 

Im Sommer 1914 wurde Robert Musil wie viele Schriftsteller und Intellektuelle vom »Mobilisierungserlebnis« mitgerissen. Er meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst. Stationiert an der österreichisch-italienischen Grenze, nahm er an militärischen Einsätzen in Südtirol und am Isonzo teil. Später arbeitete er als Redakteur für Militär-Zeitungen, 1916 zunächst für die Tiroler Soldaten-Zeitung in Bozen, 1918 für die Heimat im Kriegspressequartier in Wien.

 

In der Ausstellung werden nicht nur die biografischen Stationen und historischen Hintergründe gezeigt, sondern auch, wie der Autor die eigene Kriegserfahrung im Werk verarbeitet hat. Neben verfremdeten und verdichteten Kriegsbildern in Musils Prosa geben Tagebücher und Briefe Einblicke in ein individuelles Erleben der Lebensbedingungen an der Front. Persönliche Objekte und audiovisuelle Materialien veranschaulichen die biografischen Stationen. Historische Fotos und Filme dokumentieren die Härte des Krieges im Gebirge und die traumatisierende Erfahrung der Materialschlachten am Fluss Isonzo.

 

Die Gestaltung der Ausstellungsgalerie (unodue{ münchen) nimmt diese drei Ebenen auf: Zum einen ist das Robert Musils autobiografisches Erleben des Krieges. Parallel dazu illustrieren einzelne Exponate die Lebenswirklich im Krieg und das Zeitgeschehen. Die dritte Ebene beschäftigt sich mit dem Werk Robert Musils und zeigt, wie sich das Erlebte in seinen Texten niederschlug. Als dominierendes Motiv haben die Kuratoren und Gestalter den Berg gewählt. Massiv ragen graue Blöcke in den Raum und türmen sich zu einem Gebirge. Gleichzeitig deutet die Gestaltung auch die Brüche an, die der Erste Weltkrieg in Europa hinterlassen hat; die dem Ersten Weltkrieg nach folgenden Jahre wurden auf einem instabilen Fundament gebaut.

 

Biographie Alfred Musil:

 

6. November 1880: Geburt Robert Musils in Klagenfurt

1892-1897: Besuch der Militärrealschulen Eisenstadt und Mährisch-Weißkirchen

1898: Beginn des Ingenieurstudiums in Brünn

1901/1902: »Einjährig-Freiwilligenjahr«, Militärdienst

1903: Aufnahme des Philosophie- und Psychologiestudiums in Berlin mit den

Nebenfächern Mathematik und Physik

Oktober 1906: »Die Verwirrungen des Zöglings Törleß«

15. April 1911: Hochzeit mit Martha Marcovaldi in Wien

Mai 1911: »Vereinigungen«

August 1914: Kriegsbeginn, Einrücken nach Linz zum Landsturm

September 1914: »Europäertum, Krieg, Deutschtum« in der Neuen Rundschau.

Stationierung in Südtirol

November 1914: Beförderung zum Landsturm-Oberleutnant

September 1915: Fliegerpfeil-Erlebnis im Suganatal

November 1915: Abkommandierung an den Isonzo

März/April 2016: Schwere Erkrankung, Behandlung in Lazaretten

Juni 1916: Redakteur der (Tiroler) Soldaten-Zeitung

April 1917: Rückkehr an die Isonzo-Front

November 1917: Beförderung zum Landsturm-Hauptmann

März 1918: Redakteur der Heimat

Dezember 1921: »Grigia«

Januar 1928: »Die Amsel«

November 1930: »Der Mann ohne Eigenschaften« (Band I)

Dezember 1935: »Nachlaß zu Lebzeiten« mit den Erzählungen »Das Fliegenpapier«, »Die

Maus« und »Slowenisches Dorfbegräbnis«

Herbst 1938: Emigration nach Zürich

15. April 1942: Tod in Genf nach einem Gehirnschlag

 

Der Film »Über allen Gipfeln ist Ruh«

Der Film »Su tutte le vette è pace« (»Über allen Gipfeln ist Ruh«) wurde 1998 von den Regisseuren Yervant Gianikian und Angela Ricci Lucchi aus Originalnegativen und -positiven aus dem Archiv des Mailänder Kriegsfilmpioniers Luca Comerio, im Auftrag des Museo Storico Italiano della Guerra, Rovereto, und der Fondazione Museo Storico del Trentino, produziert. Der Film ist eine Komposition aus Filmdokumenten der österreichisch-ungarischen und der italienischen Armee an der Alpenfront.

 

Begleitprogramm

Sonntag, 23.3., 11.30 Uhr

Ab 10.30 Uhr kleines Frühstück im Foyer (3. OG)

Robert Musil: »Die Verwirrungen des Zöglings Törleß«

Lesung mit Johannes Zirner

Einführung: Inka Mülder-Bach (LMU)

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus

Eintritt: Euro 9.- / 7.- (Frühstück extra)

 

Sonntag, 30.3., 11.30 Uhr

Ab 10.30 Uhr kleines Frühstück im Foyer (3. OG)

Ernest Hemingway: »In einem andern Land«

Lesung mit Maximilian Simonischek

Einführung: Reinhard G. Wittmann (Literaturhaus)

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus

Eintritt: Euro 9.- / 7.- (Frühstück extra)

 

Sonntag, 6.4., 11.30 Uhr

Ab 10.30 Uhr kleines Frühstück im Foyer (3. OG)

Robert Musil: »Grigia«

Lesung mit Thomas Loibl

Einführung: Karolina Kühn (Literaturhaus)

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus

Eintritt: Euro 9.- / 7.- (Frühstück extra)

 

Mittwoch, 23.4.

CINEMA: »Berge in Flammen« (1931)

19.30 Uhr: Einführung & Gespräch: Michael Ott (LMU) & Kamaal Haque (Dickinson College, USA)

20.30 Uhr: Filmvorführung

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus mit freundlicher

Genehmigung durch MOVIEMAN PRODUCTIONS GmbH

Eintritt: Euro 9.- / 7.- (Eintritt zum Film frei)

 

Donnerstag, 8.5., 20 Uhr

»Der Erste Weltkrieg im ›Mann ohne Eigenschaften‹«

Vortrag von Inka Mülder-Bach & Lesung mit Christian Brückner

Veranstalter: Internationale Robert Musil Gesellschaft, Stiftung Literaturhaus

Eintritt: Euro 10.- / 8.-

 

GABRIELE MÜNTER Bildnis Marianne von Werefkin, 1909 Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Anne-Mary Deutsch, Künstlerin aus Freiburg lebt auf dem Planet Schwarzwald

Gib jedem Tag die Chance, der schönste Deines Lebens zu werden. Mark Twain

Copyright Foto: FILMSCHOOLFEST MUNICH
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