Erfolg Lion Feuchtwangers Bayern

Eine Ausstellung des Literaturhauses München

gefördert durch die Freunde und Förderer des Literaturhauses München«

vom 15.10.2014 bis zu m 15.2.2015

 

Lion Feuchtwanger, 1884 in München geboren, war 1925 – enttäuscht von den politischen Entwicklungen in seiner Heimatstadt – nach Berlin gezogen. Dort begann er die Arbeit an einem Roman über seine Heimat – über das Land Bayern der Jahre 1921 bis 1924.

 

„Als moderner deutscher Romanschriftsteller habe ich an einem Helden oder einer Heldin kein Interesse. Ich wählte für diesen Roman Gruppen von Charakteren und nicht Einzelindividuen. […] Das Land Bayern ist der eigentliche Held meines Romans.“

(Lion Feuchtwanger)

 

Sein Roman Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz (erschienen 1930) eröffnet ein facettenreiches gesellschaftliches Panorama Bayerns in den frühen 1920er Jahren. Feuchtwanger entwirft dar in ein Bild des Landes mit seiner Hauptstadt München, das sich aus realen wie aus erfundenen Orten zusammensetzt. Er entwickelt ein gesellschaftliches Zeitkaleidoskop der Einwohner, von den Großkopfeten über Kleinbürger, Schriftsteller, Ingenieure und Handwerker bis hin zu Königstreuen und Bauernführern, Künstlern und Fabrikanten – Gruppierungen, von denen einige in einer Partei aufgehen, die langsam immer stärker wird und in dem Putschversuch der Nationalsozialisten am 8. / 9. November 1923 ihren Höhepunkt erreicht.

Lion Feuchtwanger beschreibt eine aus den Fugen geratene Zeit, die von den Folgen des Ersten Weltkriegs, dem Untergang der Monarchie und dem missglückten Versuch der Räterepublik geprägt ist. Die Linke wird radikal verfolgt, politische Morde sind an der Tagesordnung und die wirtschaftlichen Verwerfungen der Weimarer Republik, ausgelöst durch Reparationsforderungen der Siegermächte und Ruhrgebietsbesetzung, wirken durch die Inflation tief in das Alltagsleben der Bevölkerung.

Geschrieben hat Feuchtwanger de n Roman in de n Jahren von 1926 bis 1929 – in einer Zeit also, in der viele de n „rechten Spuk“ für überwunden hielten. Daher der ironische und satirische Ton des Romans, da her das hoffnungsvolle Ende, das an das aufklärerische Potential der Kunst appelliert und an einen Sieg der Vernunft glauben lässt. Gezeigt wird eine Gesellschaft, die sich ohnehin schwer tut mit der allgegenwärtigen Modernisierung, die von der rasanten Inflation der Zeit umso mehr gebeutelt wird – und die daher offen ist für einfache Lösungen und Schuldzuweisungen, wie sie von den Radikalen von Links und von Rechts gleichermaßen angeboten wurden. Bei aller Kritik, die Feuchtwanger an den bestehenden Zuständen in Bayern ausdrückt, ist sein Text auch geprägt von Sympathie mit seiner bayerischen Heimat und ihren Bewohnern. Er gewinnt seinem Bayern durchaus liebenswerte Züge ab, doch die libertas bavariae wird in den Jahre n der Krise überlagert: vom Verlust des Gerechtigkeitsempfindens, von Rechtsbeugung, Brutalisierung der Gesellschaft, von skrupellosem Machtstreben. Nur wenige stemmen sich noch dagegen.

„Ist er nicht großartig in seiner Ich-Beschränktheit, dieser Bewohner der bayrischen Hochebene? Wie er seine Fehler als Stammeseigentümlichkeiten glorifiziert. Mit welcher Überzeugung nennt er seine atavistische Plumpheit patriarchalisch, seine Grobheit knorrig, seine dumpfe Stierwut gegen alles Neue Sinn für Tradition. Prachtvoll, wie er sich wegen seiner primitiven Rauflust als den bayrischen Löwen feiert.“

(so der Schriftsteller Tüverlin im Roman)

Feuchtwanger benutzt in seinem Roman Methode n der Neuen Sachlichkeit wie die Montagetechnik, er verarbeitet Statistiken und Zeitungsberichte, jedoch nicht ohne das dokumentarische Material zu verfremden und zu fiktionalisieren. Die von ihm beschriebenen Figuren und Ereignisse sind ein Konglomerat aus verschiedenen Persönlichkeiten und Begebnissen der Zeitgeschichte. Zudem bedient sich Feuchtwanger der Form des historischen Romans – der Roman wird scheinbar aus de m Jahr 2000 rückschauend erzählt, von einem Erzähler, der mit de m Blick des Ethnologen und Historikers ein Volk aus einer fernen Vergangenheit unter die Lupe nimmt.

„Ich möchte nicht Einzelheiten des Jahres 2 oder 3 photographieren, sondern ein Bild malen vom ganzen Jahrzehnt, ich ändere Einzelheiten, die heute aktenmäßig sind, weil sie in der Distanz von fünfzig oder vielleicht schon von zwanzig Jahren unwahr werden.“

(Lion Feuchtwanger)

Die Ausstellung beleuchtet zunächst den biografischen Hintergrund, zeigt Feuchtwangers Arbeitsweise und den Aufbau des Romans, um dann die Kernthemen des Romans und deren historischen Kontext zu visualisieren. Sichtbar gemacht werden die historischen Bezüge durch zeitgenössische Filme, Fotos, Zeitungen, persönliche Dokumente, historische Objekte. Dadurch soll der ethnologische Blick gezeigt werde , mit dem Feuchtwanger auf die Heimat zurückblickt: Auf sein geliebtes, gehasstes Bayern.

Fritz Gerlich
Anne-Mary Deutsch, Künstlerin aus Freiburg lebt auf dem Planet Schwarzwald

Gib jedem Tag die Chance, der schönste Deines Lebens zu werden. Mark Twain

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