IT-Sicherheit: Schutzfolie gegen Produktpiraterie

 

Unsere Abhängigkeit von Informationstechnologien wächst. Genauso wie die Angriffe auf IT-Systeme, um diese zu manipulieren oder zu kopieren. Gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Wissenschaft arbeitet Fraunhofer an Strategien und Lösungen, die das verhindern sollen. Mit intelligenten Technologien für die Sicherheit von eingebetteten Systemen, Smart Grids, Cloud Computing oder mobilen Geräten verbessern die Forscher unsere private Sicherheit und schützen Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen.



In Deutschland beobachten Experten nicht nur eine gestiegene Zahl, sondern auch »eine neue Qualität« zielgerichteter Cyberangriffe, wie dem letzten »Lagebericht zur IT-Sicherheit« des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu entnehmen ist. Alleine bayerische Behörden sind laut Innenminister Joachim Herrmann täglich über 35.000 Attacken aus dem Internet ausgesetzt. Dieser Trend verwundert nicht, bestimmt Informationstechnik doch zunehmend unser tägliches Leben.  Die Zahl sensibler Daten steigt, gleichzeitig verbreiten User Daten verstärkt über mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets.  Wichtige Dienste in der Gesundheitsversorgung, der Energieerzeugung, im Verkehr oder in der industriellen Produktion sind vernetzt und digital gesteuert.



Fraunhofer-Sicherheitszentrum im Norden Münchens


Die Fraunhofer-Einrichtung für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC in Garching bei München unterstützt Unternehmen, Behörden und Privatpersonen beim Schutz vor derartigen Attacken.

 

»Cyberangriffe können heute großen Schaden für Unternehmen und Gesellschaft verursachen. Aber auch außerhalb des Internets lauern Gefahren: Zum Beispiel durch Produktpiraterie, die heute auch immer mehr Diebstahl von IT-gestütztem Know-how bedeutet – ganz egal ob Software oder Hardware. Der IT-Sicherheit kommt damit eine zentrale gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung zu. Für die deutsche Wirtschaft wird sie zunehmend zum wichtigen Eckpfeiler. Firmen können von dieser Entwicklung profitieren. Zum einen, um ihre eigenen Produkte und Lösungen vor möglichen Gefahren zu schützen. Zum anderen, indem sie Lösungen aus der Forschung einsetzen und selbst hochwertige Sicherheitstechnologien entwickeln und weltweit anbieten«, so Prof. Dr. Claudia Eckert, Leiterin des AISEC.

 

Kernkompetenzen der derzeit rund 80 wissenschaftlichen und technischen Mitarbeiter liegen bei der Hardware-nahen Sicherheit und der Sicherheit Eingebetteter Systeme, des Produkt- und Know-how-Schutzes, der Automotive-Sicherheit, der Sicherheit von Netzen sowie der Sicherheit im Cloud- und Service-basierten Computing. 

 

Unter anderem soll dabei das AISEC in den nächsten Jahren zu einem Sicherheitszentrum von nationaler und europäischer Bedeutung ausgebaut werden. Insgesamt investiert Bayern in den nächsten fünf Jahren 250 Millionen Euro in »Digital Bavaria«. »Wichtige Handlungsfelder sind die mobile Kommunikation, die Fabrik der Zukunft – Stichwort ‚Industrie 4.0‘ – intelligente Energienetze, Cloud Computing und das vernetzte Automobil«, präzisiert Prof. Eckert.

 

Schutzfolie verhindert Auslesen von Daten


Auch beim Thema Plagiatsschutz verstehen sich die Fraunhofer-Wissenschaftler als Dienstleister der Industrie, insbesondere des Mittelstands. »Made in Germany« ist auch bei Produktfälschern hoch im Kurs. Dies gilt vor allem für Maschinen und andere hochtechnische Produkte, die häufig keinen besonderen Schutz in sich tragen und den Fälschern ihr Handwerk erleichtern. Laut einer Studie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) beliefen sich die Umsatzverluste der Branche durch Plagiate 2011 auf rund acht Milliarden Euro – bei einer Steigerung um 24 Prozent gegenüber der letzten Umfrage vor zwei Jahren.



 

Ihr Team hat beispielsweise eine Schutzfolie entwickelt, mit der sich elektronische Steuerungskomponenten gegen Angriffe von außen absichern lassen. Damit können unerlaubte Zugriffe auf das Herzstück von elektronischen Geräten, die Firmware, verhindern werden. Die Folie ist fest mit der Hardware verschweißt und macht bei der kleinsten Beschädigung das Auslesen sensibler Daten unmöglich. Greift ein Unbefugter auf die Folie zu, wird dies sofort über ein Softwareprogarmm ausgelesen. Die Daten auf der Platine werden sofort gelöscht, der Code ist so geändert, dass er eben nicht mehr gelesen werden kann. Die Folie über der Platine ist denkbar einfach, hat es aber in sich: es genügt also nicht, eine Alufolie über die eigenen Platine zu stülpen. Das Produkt hilft auch Unternehmen, sich bei Plagiaten vor Schadenersatzklagen zu schützen. Gerade mittelständische Unternehmen sind auf den Schutz ihrer Erfindungen angewiesen.









Fritz Gerlich
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