Der Mount Everest – mystisch und majestätisch. Der Berg ruft: „Die Geister die ich rief, die werd’ ich nicht mehr los.“ Messner warnt vor Tourismus zum Mount Everest

 

Der höchste bekannte Berg der Erde ragt majestätisch mit 8848 Metern Höhe über dem Meeresspiegel im Himalaya hervor. Was mit einer Kollision der indischen Platte mit der eurasiatischen Platte begann, ergab das Himalaya Gebirge. Noch heute schiebt sich eine Platte in die andere, das Gebirge wächst jährlich weiter. Der Himalaya entstand in etwa 35 Millionen Jahren. Heute hat der Mount Everest wahrscheinlich schon eine Höhe von 8850 Metern. Die Tibeter und Sherpas nennen den Berg Chomolungma: „Mutter des Universums“. Die Engländern und der Vermessungsleiter Sir George Everest benannten den Berg kurzerhand um. Das ist auch eine Art, wie man einen Berg erobert.

 

Die Faszination, die dieser Gipfel ausstrahlt, hat schon viele Bergsteiger angezogen, die tatsächlich auf dem Gipfel ihr Glück erreichten. Reinhold Messner war 1978 der Bergsteiger, der den Gipfel und die Todeszone ohne Atemmaske bezwang. Am 20. Mai 1980 war er ganz alleine nochmals auf dem Gipfel der Mutter des Universums. Der Film von Andreas Nickel belegt die Geschichte von Reinhold Messner, der nicht der erste dort war:

 

Der neuseeländische Bienenzüchter Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay hatten am 29. Mai 1953 gegen 11.30 Uhr als erste Menschen den Gipfel des Mount Everest erreicht. Sie meinten, das wäre das erste und letzte Mal gewesen, ein fataler Irrtum.

 

Inzwischen haben schon fast 4000 – 5000 Menschen auf dem Mount Everest ihr Glück versucht und dabei viele auch ihr Leben verloren. Tabei war die erste (japanische) Frau, die den Berg bezwang, es gab schon einen Blinden und einen Armlosen auf dem Dach der Welt. „Gautam“, der armlose Bergsteiger, muss beim Abstieg von einem Helikopter gerettet werden. Ein Novum, denn noch nie war ein Hubschrauber so weit oben, in 7000 – 7500 Metern Höhe. Die Bergsteiger kämpfen mit Stürzen, Lawinen, Stürmen, Minusgraden bis minus 40 Grad, Schnee bis zur Hüfte, der Höhenkrankheit sowie Müllbergen ihrer Vorgänger und nicht zuletzt den schmelzenden Gletschern.

 

Der Kampf zwischen Berg und Natur geht häufig zugunsten des Bergs aus und noch heute liegen viele Bergsteiger dort begraben. Tote werden dort nur selten geborgen. Die Gefahr für die Retter ist zu groß. Selbst das gelingt ab und an, einen Toten zu bergen, meist mit Helikopter.

 

Das große Geschäft mit dem höchsten Punkt der Erde beginnt Mitte der 1980er Jahre. Richard „Dick“ Bass, Millionär aus Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma, will als erster Mensch auf dem höchsten Berg jedes Kontinents stehen. 1985 fehlt ihm von den „Seven Summits“ nur noch der Mount Everest. Der Unternehmer nimmt den Bergsteiger David Breashears unter Vertrag, um ihn auf den Gipfel zu führen. Als Bass am 30. April 1985 im Alter von 55 Jahren auf dem Dach der Welt steht, beginnt der Bergsteiger-Tourismus des Mount Everest. Das erfolgreiche Unternehmen ruft weitere wohlhabende Bergsteiger auf den Plan.

 

Erfahrene Bergsteiger wittern ein lukratrives Geschäft darin, gut situierte Kunden auf den Gipfel zu führen. Inzwischen gibt es am „Hillary-Step“ kurz vor dem Gipfel oft schon einen Stau der Bergsteiger. Wer hier stehen bleibt, befindet sich allerdings in Lebensgefahr, denn der Körper unterkühlt in Minuten. Einige haben das ebenfalls mit dem Leben bezahlt oder sich geschlagen, um als erste oben anzukommen.

 

Das Wettrennen und  das Geschäftsmodell Everest boomen weiter. Inzwischen hat sich eine regelrechte „Infrastruktur“ entwickelt, mit Veranstaltern, die eine Sicherheit suggerieren, die es in der Natur nicht geben kann: auf über 8000 Metern Höhe gelten andere Gesetze, die einer rauen Natur. Der Mensch befindet sich hier in einem inneren Kampf und einem Kampf mit der Natur und dem Berg aller Berge. Messner bittet alle: “Bitte geht nicht auf den Berg.“ Ein Wunder, diese Aussage, denn er selbst wollte den Mount Everest bezwingen.


Die Infrastruktur hat der Umgebung und den Sherpas einen Wohlstand beschert, den sie sich nicht erträumt haben. Gleichzeitig nehmen Umweltverschmutzung, Abholzung der umliegenden Wälder und Müllberge auf den Routen zu. Wer jetzt seine Plastikflaschen im Schnee versenkt, muss schon vorher eine rekordverdächtige Müllgebühr von zirka 4000 Dollar hinterlegen, es gibt Kopfprämien auf Umweltsünder. Hier oben gibt es eben kein deutsches Dosenpfand!


Rund 35000 Mount Everest Touristen bevölkern jährlich inzwischen die Routen. Was einmal unberührte Natur war und für Rekorde sorgte, soll jetzt auf dem Altar des Massentourismus geopfert werden. Mount Mammon geht vor Mount Everest, ist die Devise. Wer möchte nicht sagen können:“ Ich war schon auf dem Mount Everest:“ Der Mond ist ja ein bisschen weit und nicht jeder stürzt sich aus dem All, dafür vom Berg.


Der Mount Everest steht majestätisch und geheimnisvoll da und trotzt der Natur und Massen von Menschen. Auch die Gletscher, die schmelzen, zeugen vom Eingriff des Menschen in die Natur. Wahrscheinlich wird der Berg die Heerscharen von „Touris“ überleben. Wer sich die Mühen, Strapazen und weitere Umweltverschmutzung sparen will, kann jetzt mit dem Internet Explorer per Mausklick zur Mutter des Universums klicken. Dabei stürzt niemand vom Berg und schont die Natur, ein Vorteil für Mensch und Natur.


Fotograf David Breashears hält selbst mehrere Rekorde am höchsten Berg der Welt: 1983 sandte  der heute 57-Jährige die ersten Live-Bilder per Funk vom Gipfel des Mount Everest. 1985 stand er als erster Amerikaner zum zweiten Mal auf dem Dach der Welt. Glacier Works ist sein Beitrag, die Schmelze der Gletscher und seine eigene Umkehr zu dokumentieren, aus Respekt vor dem Dach der Welt.


Die Fotos des Mount Everest von David Breashears wurden aus über 500 Einzelbildern zusammengesetzt. Sie dokumentieren die Schmelze der Gletscher in diesen Höhen und zeigen, dass die Erde klimatische Veränderungen nicht einfach so „wegsteckt“. Die Rekorde, die sich Touristen suggerieren, sind schon lange keine mehr. Der Berg bleibt majestätisch und geheimnisvoll. Vielleicht wirft er die Touristen bald wie lästige Fliegen vom Berg, einigen bleibt bestimmt in dieser Höhe auch die Luft weg: Der Weg dorthin ist buchstäblich atemberaubend.

 


Wer schon auf dem Mount Everest auf den Gipfel stürmte:

 

Edmund Hillary und Tenzing Norgay stehen 29. Mai 1953 als erste Menschen auf dem Gipfel des Mount Everest.

 

Am 16. Mai 1975 erreicht die Japanerin Junko Tabei als erste Frau das Dach der Welt.

 

Peter Habeler und Reinhold Messner besteigen den Berg am 8. Mai 1978 ohne künstlichen Sauerstoff.

 

Der Franzose Jean Marc Boivin fliegt nach seinem erfolgreichen Gipfelsturm mit einem Paraglieder vom Berg.

 

Davo Karnicar aus Slowenien fährt am 7.Oktober 2000 in fünf Stunden vom Gipfel zum Basecamp ohne die Skier abzuschnallen.

 

Lhakpa Gelu Sherpa aus Nepal gelingt am 26. Mai 2003 der Aufstieg von Süden her in zehn Stunden und 56 Minuten. Von Norden aus stellt der Südtiroler Hans Kammerlander am 24. Mai 1996 den Rekord von 16 Stunden und 45 Minuten auf.

 

Ohne Augenlicht schafft es als erster Erik Weihenmayer aus den USA am 25.Mai 2001 auf den Berg.

 

Apa Sherpa stand insgesamt 21 Mal auf dem Dach der Welt. Er ist der Rekordhalter, ihn verbindet mit dem Berg ein schicksalhaftes Seil................

Fritz Gerlich
Anne-Mary Deutsch, Künstlerin aus Freiburg lebt auf dem Planet Schwarzwald

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