Frauen & Biographien
Frauen & Biographien
 

Gegen den Strom der Gesellschaft, für ein neues Rollenbild der Frauen

"Frauen, die Geschichte machten", Historische Reihe am 01.12.2013 im ZDF

Sie waren mächtig und ohnmächtig, populär und angefeindet, entschlossen und verzweifelt, kämpferisch und besiegt von ihrer Umgebung – Frauen, die Geschichte machten, Terra X stellt mit diesem Sendeformat berühmte Frauen in den Mittelpunkt des Geschehens. Mit Kleopatra im Reigen der erfolgreichen und prominenten Frauen startet das ZDF in sechs Folgen ab dem 01.12.2013. Weitere Protagonistinnen der weiblichen Geschichte, die als Königinnen, Kaiserinnen, Bauern- oder Bürgerstöchtern in Erscheinung traten sind neben Kleopatra (69-30 v. Chr.): Jeanne d’Arc (1412-1431), Elisabeth I. (1533-1603), Katharina die Große (1729-1796), Luise von Preußen (1776-1810) und Sophie Scholl (1921-1943).

Paradigma für die sich wandelnde Rolle der Frauen in der westlichen Gesellschaft

 

Diese vorbildlichen Frauen im Laufe der europäischen Geschichte sind spannende, paradigmatische Figuren und Persönlichkeiten, die historische Spuren hinterließen, vom Altertum bis ins 20. Jahrhundert. Wie fanden die sechs Frauen zu ihrer besonderen Rolle? Wie gelang es ihnen, aus dem Schatten einer in dieser Zeit gültigen Frauenrolle herauszutreten und sich bei Männern zu profilieren, die nicht nur in ihrer Zeit die Welt beherrschten? Was an den Überlieferungen ist Mythos, was Wirklichkeit? Worin liegt ihre historische Bedeutung und ihr Rollenmodell – bis in die Gegenwart? Die sechsteilige Reihe „Frauen, die Geschichte machten“ soll Antworten darauf geben.

 

Neues Konzept beim ZDF für Geschichtssendungen: Verbindung von Unterhaltung und Information über historische Fakten

 

„Die Frauen, die Geschichte machten“, bewegen sich in der Tradition der Sendereihe „Die Deutschen“. Die Überlegung war dabei, wer von den Frauen hat eigentlich europäische Geschichte geschrieben?“ betont Professor Peter Arens, Leiter der ZDF Hauptredaktion Kultur, Geschichte und Wissenschaft.

 

Neben MONA LISA als Magazin für Frauen und Männer trägt das ZDF dazu bei, die Frauen gleichberechtigt darzustellen. Ähnlich wie im angelsächsischen Unterhaltungsroman kommt dabei die Unterhaltung kombiniert mit Informationen in diesem Sendeformat nicht zu kurz. Es kann auch mal gelacht werden, wenn es um Geschichte geht.

 

Auch historisch nicht bewanderte Menschen erleben hier Fakten, die in Spielfilmform die Ereignisse abbilden. Gestützt hat sich das ZDF auf historische Dokumente, Tagebuchaufzeichnungen und antike Darstellungen. Wer kennt heute noch Zeitzeugen zu Zeiten Kleopatras? Die Dialoge sind peppig und modern, die Kostüme historisch korrekt, die Menschen in ihren Schicksalen verfangen wie Du und ich. Der Zuschauer kann sich in der Verpackung der Unterhaltung weiterbilden.

 

Zum Konzept führt Professor Arens aus: „Frauen, die Geschichte machten wohnt eine andere Art der Intensität inne – die in dichten Kammerspielszenen zum Ausdruck kommt, mit Figuren, die eher innere als äußere Kämpfe austragen, die mit sich hadern, triumphieren oder scheitern. Wir haben uns für eine neue Form entschieden, für spannende Kurzdramen, durchgehend mit fiktionalen Mitteln. Wir wollten das Leben unserer Heldinnen ohne dokumentarische Einschübe oder Interviews mit Experten erzählen.“ Die Darstellerinnen sind junge deutsche Schauspielerinnen. „Das hat der Geschichtsvermittlung im ZDF eine neue Note verliehen,“ betont Professor Arens, „Pegah Ferydoni, Nadja Bobyleva, Marleen Lohse, Alma Leiberg, Luise Heyer und LIv Lisa Fries spielen ihre Rollen nicht nur mit großer Professionalität, sondern sie alle zeigten sich von Beginn an von dem Projekt begeistert und persönlich angesprochen,“ führt der Kulturchef aus.

 

Die Frauen im Kampf gegen gesellschaftliche Konventionen

 

Die meisten der präsentierten historischen Figuren hatten ein Schicksal, das äußerlich ohne Sorgen erschien, was die materielle Seite bei den Adligen betraf. Tatsächlich befanden sich diese Frauen im beständigen Kampf mit den typischen Vorurteilen gegen Frauen. Sie waren als Geschlecht Jahrhunderte lang hinter den Kulissen aktiv, bis auf Ausnahmen des Matriarchats in einzelnen Teilen von Tibet. Frauen haben sich nach und nach die Öffentlichkeit erobert, um ihre Ziele zu realisieren. Dennoch sind sie immer noch mit den Maßstäben des gängigen Verhaltenskodex gemessen worden, der für Frauen in der entsprechenden Zeit gültig war. .Alle Protagonistinnen lösten Angst aus, insbesondere in der Männerwelt und den streng religiös normierten Gesellschaften, teilweise Bewunderung und auch Unterstützung.

 

Hier lesen Sie mehr zu Königin Kleopatra, Jeanne d'Arc, Königin Elisabeth I., Königin Luise, Katharina die Große und Sophie Scholl

 

Frauen als Führungskräfte in der Geschichte

 

Frauen errangen in der Gesellschaft nur hinter den Kulissen Einfluss, waren manchmal die eigentlichen Lenkerinnen hinter angeblich mächtigen Herrschern. Manche gerieten in Vergessenheit, wurden erst von der Nachwelt entdeckt oder zu Ikonen erhoben. Einige galten als Heilige, andere als Königinnen der Herzen wie Prinzessin Diana , wieder andere gelangten schließlich an die Macht wie Indira Gandhi bestimmten über die Geschicke ihrer Völker, entschieden über Krieg und Frieden. Immer wieder begehrten Frauen gegen die Zustände ihrer Epoche auf, mussten Gewalt und Verachtung ihrer männlichen Gegner ertragen, leisteten trotz erheblicher Widerstände Großes, zahlten dafür einen hohen Preis, viel opferten ihr Leben. So waren die Suffragetten Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur struktureller Gewalt durch den Staat ausgeliefert, sie wurden auch körperlich traktiert und misshandelt. Welche Frau mit Wahlrecht denkt heute noch an den Kampf dieser Frauen? Gewalt gegen Frauen war an der Tagesordnung und wurde als legitim angesehen, um sie wieder in die angestammte Rolle zu pressen.

 

Die moderne Gesellschaft und die Rolle der Frau

 

Ob die modernen Gesellschaften sich strukturell wirklich verändert haben, bleibt noch fraglich, angesichts schlechterer Bezahlung, geringerer Chancen auf dem Arbeitsmarkt und starker Anfeindung, die sich in Spitzenpositionen befinden. Oder gäbe es einen Spitzenmann, der aufgrund seiner körperlichen Eigenschaften ebenfalls beurteilt wird? Höchstens, wenn er wie Arnold Schwarzenegger mit Muskelpaketen auftritt. Das einundzwanzigste Jahrhundert kann das Jahrhundert der Frauen werden, wenn endlich das TV die Frauen in unterhaltender und informativer Form für sich entdeckt und die sachliche Information weiter transportiert.

 

Welche Frau kann sich in Deutschland heute noch vorstellen, dass der Ehemann eigenmächtig den Job kündigen kann, wenn der Haushalt nicht richtig geführt wird, wie bis Mitte der sechziger Jahre in der BRD? Keine, wahrscheinlich landeten die Koffer des Mannes auf der Straße. Dennoch sind Frauen auch heute noch struktureller Gewalt ausgesetzt wie Jeanne d’Arc oder Sophie Scholl. Zweifellos haben Frauen in den modernen Gesellschaften mehr Rechte, sind de jure gleichgestellt. Auch sind ihre Chancen erheblich gestiegen und Einfluss zu gewinnen, in führende Positionen zu gelangen. Sie sind aber nicht gleichgestellt, solange Frauen nicht nach der Leistung, sondern nach dem Geschlecht beurteilt werden. Doch beharrlich gehütete Klischees und Vorurteile verhindern oder behindern bis jetzt eine wirkliche Gleichberechtigung oder gemeinsame Gestaltung von Gesellschaften, deren Probleme immer komplexer werden. Die Zusammenarbeit ist hier Trumpf, ohne Doppelbelastung oder unrealistische Erwartungen an insbesondere Frauen.

 

In den Führungsetagen von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert. So verstummt der Ruf nach der Frauenquote auch dort nicht, wo seit Jahren eine Bundeskanzlerin regiert. Diese Quote soll in der Politik zumindest mit 30 Prozent in Deutschland etabliert werden. Die so genannte „gläserne Decke“ ist immer noch wirksam wenn die am besten qualifizierte Frauengeneration aller Zeiten immer noch kämpft, als ob sie keine Qualifikation hätte oder eben in Positionen arbeitet, die nicht immer der Qualifikation entsprechen.

 

Dienen dann Frauen wie Kleopatra oder Jeanne d’Arc als Vorbilder? Die Antwort ist ja. Aber sie verursachten in Gesellschaften oft Angst und Abscheu oder Vorurteile wie im Fall von Kleopatra, die ihre Sexualität wie ein Mann offen und frei auslebte. Im Fall eines Mannes gälte dieser als „toller Hecht“, Kleopatra wurde als „die Hure vom Nil“ diffamiert. Da hat sich angesichts der „Bunga Bunga“ Affäre in Italien doch etwas geändert, wenn man an die Verurteilung von Berlusconi denkt, nicht zuletzt wegen seiner erotischen Eskapaden im Amt.

 

Wie wurden Frauen im Laufe der Geschichte gesehen? Wer waren die Frauen, die sich durchsetzten und wie reagierten die Gesellschaften der Epoche auf den Freiheitswillen, den Mut und die Handlung der zweifellos prominenten Frauen wie Jeanne d’Arc oder Elisabeth I. von England? Was bewegte diese Frauen, sich für das Land und das Gemeinwohl so uneingeschränkt einzusetzen? Was brachte die Frauen dazu, ihren Willen zur Macht zu entdecken?

 

Sie sind aus heutiger Sicht Vorreiterinnen für eine Art, ihr eigenes Schicksal zu ändern und gleichzeitig das Schicksal ihres eigenen Landes oder eines ganzen Kontinents. Viele der herausragenden Frauen, die das ZDF portraitiert, sind schon in die Oberschicht geboren, andere, wie Jeanne d’Arc haben sich durch ihre Entschlusskraft, Intelligenz und Intuition gewissermaßen „in ihre Aufgabe gekämpft“. Allen gemeinsam war ihr Einsatz für ihr Land, ihre Sache und die Gesellschaft, die nur sie als weibliche Menschen erfüllen konnten und als Individuen, die eines gemeinsam hatten: Nicht aufzugeben und egal was passiert, mit Mut zu ihren Überzeugungen zu stehen.

 

 

Folgen und Sendetermine


Kleopatra – Mit Macht und Eros: Sonntag, 1.12. 2013, 19: 30 Uhr


Jeanne D’Arc, Jeanne d' Arc - Kampf um die Freiheit: Dienstag, 3. 12. 2013, 20:15 Uhr


Elisabeth I. – Verheiratet mit England: Sonntag, 8.12. 2013, 19: 30 Uhr

Katharina die Große – Der Weg auf den Zarenthron: Dienstag, 10.12. 2013, 20:15 Uhr


Luise von Preußen – Die preußische Madonna: Sonntag, 15.12. 2013, 19: 30 Uhr


Sophie Scholl – Die Seele des Widerstands: Dienstag, 17.12. 2013, 20:15 Uhr


 Vertiefung im Online-Angebot


Das Online-Angebot zur ZDF-Reihe liefert Informationen und ergänzende historische Fakten zu den Biografien der sechs Protagonistinnen, es lässt Historiker zu Wort kommen, die Aufschluss geben über die besondere Rolle dieser Frauen in ihrer Zeit und darüber hinaus. Alle Folgen, Hintergrundinformationen und exklusiven Online-Videos sowie Materialien für Lehrer sind zum Start der Reihe an dieser Stelle abrufbar.

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