PAINTING 2.0 Malerei im Informationszeitalter im Museum Brandhorst in München

Von Robert Rauschenberg und Maria Lassnig bis zu Albert Oehlen und Charline von Heyl

 

Eröffnung: 13. November 2015  19.00 Uhr

4. November 2015 bis 30. April 2016 Museum Brandhorst München

 

2. Juni bis 6. November 2016

mumok — Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

 

„Painting 2.0: Malerei im Informationszeitalter“  im Museum Brandhorst in München präsentiert als erstes groß angelegtes Ausstellungsprojekt die Aneignung und Transformation von Informationstechnologien in der westeuropäischen und nordamerikanischen Malerei seit den 1960er Jahren.  

 

Die Ausstellung setzt lange vor der Digitalisierung und dem Internet ein – nämlich mit Pop Art und Nouveau Réalisme, die sich erstmals programmatisch neu aufkommender kommerzieller Bildsprachen bedienten. Die Malerei öffnete sich in jenem Moment, als ihre Legitimität durch die Populärkultur und eine „Gesellschaft des Spektakels (Guy Debord) herausgefordert wurde. Dieser facettenreichen Geschichte einer Malerei im erweiterten Feld geht die Ausstellung bis in die Gegenwart nach – bis hin zu den weit reichenden Folgeerscheinungen des interaktiven Web 2.0 wie den Sozialen Medien und Daten-Clouds. Mit über 230 Werken von 107 Künstlerinnen und Künstlern ist „Painting 2.0“ international eine der umfangreichsten musealen Malereiausstellungen der letzten Jahre: 

 

Das wiederkehrende Interesse an zeitgenössischer Malerei in den vergangenen Jahren fällt  mit einer Explosion neuer digitaler Technologien zusammen. Doch schon seit den 1960er-Jahren haben sich die fortschrittlichsten Ansätze auf dem Gebiet der Malerei in Westeuropa und in den USA in produktiver Reibung mit ihrer zeitgenössischen Massenkultur und den vorherrschenden medialen Bedingungen entwickelt. Vom Aufkommen des Fernsehens und Computers bis zur Internetrevolution  ist es der Malerei immer wieder gelungen, jene Mechanismen zu integrieren, die für ihr angebliches Ableben verantwortlich sein sollten. Weit über ihre technische Definition – Öl auf Leinwand – hinaus war und ist Malerei ein privilegierter Ort, an dem die Herausforderungen einer sich zunehmend mediatisierten Lebenswelt verhandelt werden.

 

Längst sind wir bei Industrie 4.0, automatisiertem Fahren und einer sich weiter mechanisierten Arbeitswelt angekommen. Die Smart-Phone-Generation genießt Malerei in Bildern auf Bildschirmen und häufig nicht mehr in der realen Welt. Die Reproduzierbarkeit der Medien hat längst Einzug gehalten, in eine Gesellschaft, die sich zunehmend digitalisiert. Die Kommunikation läuft häufig über Kommunikationskanäle und nicht mehr direkt ab. Die visuelle Wahrnehmung der Welt wird eine aus zweiter Hand, ändert sich nicht nur durch Smart-Phones, Tablet, PCs, Social Media. Die Welt wird zum Kommunikationskanal. Hier zeigt sich die Wichtigkeit eines Dialogs in den Museum direkt vor einem haptischen Kunstgegenstand, der noch die direkte Kommunikation ermöglicht. Dies zeigt die Ausstellung Painting 2.0. im Museum Brandhorst. 

 

 „Painting 2.0 zeigt auf, dass die expressive Geste immer wieder mit dem Begehren verknüpft war, die virtuelle Welt des Informationszeitalters an den Erfahrungsraum des menschlichen Körpers rückzubinden. Die avancierte Malerei der letzten 50 Jahre weist die vermeintliche Opposition zwischen Humanem und Technischem, Analogem und Digitalem als wechselseitig aufeinander bezogene Spannungsfelder aus.

 

Erstmals seit der Eröffnung des Museums Brandhorst 2009 erstreckt sich mit „Painting 2.0 eine Ausstellung über das gesamte Haus.   „Painting 2.0 ist auf allen drei Stockwerken zu sehen. Die Erweiterung der Malerei seit den 1960er-Jahren wird in drei eng miteinander verknüpften Sektionen, auf je einer Etage des Museums präsentiert. 

 

Auf der Eingangsebene widmet sich „Geste und Spektakel“ der Frage, wie malerische Gestik eingesetzt wurde, um einer Spektakelkultur zu begegnen: von einer Protesthaltung kommerziellen Bildern und ihren Medien gegenüber, wie sie sich in den Schießbildern von Niki de St. Phalle oder den abgerissenen Plakatwänden der Affichisten Mimmo Rotella, Jacques Villeglé und Raymond Hains zeigt, bis hin zu malerischen Strategien, die sich die Sprache der Populärkultur aneigneten wie in Keith Harings „Subway Drawings“, Albert Oehlens Computerbildern oder den mittels Photoshop bearbeiteten Leuchtkästen Kelley Walkers.

 

Im Obergeschoss beschäftigt sich die zweite Gruppe unter dem Überbegriff „Exzentrische Figuration“ damit, wie sich Vorstellungen von Körperlichkeit unter dem Einfluss einer kommerziellen Massenkultur und neuer Technologien verändern. Buchstäblich „exzentrische“ Figuren wie bei Philip Guston und prothetische Körper wie bei Maria Lassnig, aber auch exzentrische Gesten wie bei Amy Sillman sowie Strategien des Karikierens wie bei Nicole Eisenman bezeugen die komplexe Verflechtung von Körper, medialem Bild und Technologie ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

 

Im Untergeschoss widmet sich „Soziale Netzwerke“ malerischen Positionen, die eine „Netzwerkgesellschaft“ als solche ausweisen, sowohl durch Praktiken der Bildzirkulation als auch durch die Thematisierung spezifischer sozialer Kontexte. Andy Warhols „Factory“, die Gemälde und Aktionen des Kapitalistischen Realismus von Sigmar Polke, Gerhard Richter, Konrad Lueg und Manfred Kuttner, die Künstlerinnen um die feministische New Yorker A.I.R. Gallery, aber auch zeitgenössische Positionen des sogenannten „Network Painting“, wie zum Beispiel Seth Price oder R.H. Quaytman, demonstrieren, wie sich Vorstellungen von Gemeinschaft und sozialem Austausch seit den 1960er-Jahren gewandelt haben.

 

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher und reich illustrierter Katalog im Prestel Verlag (ISBN: 978-3-7913-5492-7, Museumsausgabe: 39,95 Euro) mit 320 Seiten und 350 vollfarbigen Abbildungen in deutscher und englischer Sprache. Vertiefende Essays der drei KuratorInnen Achim Hochdörfer, David Joselit und Manuela Ammer gehen den zentralen Fragestellungen der drei Sektionen nach. Mit Beiträgen von Lynne Cooke, Isabelle Graw, John Kelsey, Tonio Kröner, Wolfram Pichler und Kerstin Stakemeier kommen bedeutende Stimmen zur Entwicklung der Malerei der letzten Jahre in einer Publikation zusammen.

 

Kuratiert von Achim Hochdörfer, David Joselit mit Manuela Ammer Assistenzkurator: Tonio Kröner

 

„Painting 2.0: Malerei im Informationszeitalter“ ist eine Kooperation mit dem mumok — Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Die Ausstellung wird gefördert durch PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V.

 

Das Museum Brandhorst im Internet: http://www.museum-brandhorst.de

 

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